Ein Streifzug durch Paris

Eiffelturm Paris

Ein Spa­zier­gang von der ele­gan­ten Kir­che Sacré-Cœur bis zum iko­ni­schen Eif­fel­turm gleicht einem Streif­zug durch Zeit und Raum

Nach gefühlt tau­send Stu­fen in den unter­ir­di­schen Tie­fen der char­mant-his­to­ri­schen Metro-Sta­ti­on Abbes­ses sowie am stei­len Hang des berühm­ten Mont­mart­re-Hügels und etwas außer Atem errei­chen wir unser ers­tes Ziel: den Aus­sichts­punkt der Basi­li­ka Sacré-Cœur. Doch die Anstren­gung hat sich gelohnt. Ein schier unend­li­ches Häu­ser­meer erstreckt sich vor unse­ren Augen. Paris liegt uns buch­stäb­lich zu Füßen. Bei der atem­be­rau­ben­den Aus­sicht hoch über den Dächern der Stadt wun­dert es einen nicht, dass der Hügel bereits in der gal­lo-römi­schen Zeit als hei­li­ger Ort emp­fun­den wur­de.

Sacré-Cœur: Paris zu Füßen liegen

Auf dem höchs­ten Punkt des Mont­mart­re-Hügels thront seit über 110 Jah­ren das unbe­strit­te­ne Schmuck­stück des gleich­na­mi­gen Vier­tels: die Herz-Jesu-Basi­li­ka, ein wun­der­ba­res römisch-byzan­ti­ni­sches Got­tes­haus, erbaut aus weiß schim­mern­dem Châ­teau-Lan­don-Stein, in des­sen impo­san­ter Haupt­kup­pel sich eine 360-Grad-Aus­sichts­platt­form ver­birgt. Vor­aus­ge­setzt, man ist bereit, wei­te­re 300 Stu­fen hin­auf­zu­stei­gen. Doch das muss nicht sein. Der Pan­ora­ma­blick vom Vor­platz ist schon spek­ta­ku­lär genug. Nach­dem wir das Kir­chen­in­ne­re mit sei­nem präch­tig leuch­ten­den Jesus-Mosa­ik bestaunt haben, machen wir uns nun auf den Weg, das eins­ti­ge Bohè­me-Vier­tel zu erkun­den.

Sacré-Cœur auf dem Montmartre in Paris
Die Basi­li­ka Sacré-Cœur ist das Schmuck­stück des Mont­mart­re-Vier­tels

Montmartre zwischen Kunst, Ateliers und Streetart

Mont­mart­re ist wie ein Dorf, erzäh­len uns die Bewoh­ner. Ein über­schau­ba­res Fleck­chen Erde. Male­risch und pit­to­resk. Und alles dreht sich um die Kunst. Anno dazu­mal leb­ten Maler­grö­ßen wie van Gogh, Picas­so und Renoir hier. Heut­zu­ta­ge drän­gen sich bei gutem Wet­ter am win­zi­gen Place du Tert­re dicht an dicht dut­zen­de Maler und Por­trä­tis­ten. Ins­ge­samt sol­len es bis zu 300 sein, erzählt man uns, abwech­selnd bie­ten sie ihre krea­ti­ven Diens­te an – zur Freu­de der schau­lus­ti­gen Tou­ris­ten, von denen es nur so wim­melt.

Pas­sio­nier­te Kunst­lieb­ha­ber zieht es eben­so in die klei­nen Muse­en und zeit­ge­nös­si­schen Gale­rien, die hier und da ver­streut lie­gen. Allen vor­an begeis­tert die Pri­vat­samm­lung Dalí Paris mit groß­ar­ti­gen Gra­fi­ken und Skulp­tu­ren des exzen­trisch-extra­va­gan­ten Sur­rea­lis­ten Sal­va­dor Dalí. Selbst die brö­ckeln­den Häu­ser­fas­sa­den des nost­al­gi­schen Vier­tels die­nen als Lein­wän­de. Nicht nur die Men­ge der Street­art-Kunst­wer­ke ist ver­blüf­fend, son­dern auch die Viel­falt an Moti­ven, Tech­ni­ken und Aus­drucks­for­men. Immer wie­der stößt man auf pop­pi­ge Auf­kle­ber, nied­li­che Pixel­mo­sai­ke, klei­ne 3D-Figu­ren und ‑mas­ken (meist gefer­tigt aus Kunst­stoff oder Gips) sowie packen­de Pas­te-ups und Wand­ma­le­rei­en. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel ist das raf­fi­nier­te Por­trät einer alten Dame des figu­ra­ti­ven Künst­lers Mathieu Tau­pe­n­as ali­as Swed Oner, das an der Ecke Rue Gabri­el­le und Rue Chap­pe die vol­le Auf­merk­sam­keit der Pas­san­ten auf sich zieht.

Streetart von Swed Oner im Viertel Montmartre
Street­art-Künst­ler: Swed Oner
Ein fabelhaftes Paste-up der Streetart-Künstlerin Demoiselle MM
Ein fabel­haf­tes Pas­te-up der Street­art-Künst­le­rin Demoi­sel­le MM

Kulinarische Entdeckungen in der Rue des Martyrs

Läuft man ein paar Schrit­te berg­ab stadt­ein­wärts, gelangt man in die bei den Pari­sern sehr belieb­ten Rue des Mar­tyrs. Die recht schma­le und kaum einen Kilo­me­ter lan­ge Stra­ße könn­te genau­so gut in einer beschau­li­chen Klein­stadt der fran­zö­si­schen Pro­vinz lie­gen und besticht durch ihre zahl­rei­chen unab­hän­gi­gen Läden, die nahe­zu alles bie­ten, was das kuli­na­ri­sche Herz begehrt: Käse, Fleisch, Fisch, Obst, Gemü­se, Gebäck, Süß­wa­ren, Wein sowie aller­lei Spe­zia­li­tä­ten aus dem medi­ter­ra­nen Raum. Wer in den Genuss fei­ner Pari­ser Back­kunst kom­men möch­te, der ist in der lie­bens­wer­ten Pâtis­se­rie des Mar­tyrs in Haus Num­mer 22 bes­tens auf­ge­ho­ben. Zum Reper­toire des talen­tier­ten Patis­siers Sébas­tien Gau­dard gehö­ren neben den ver­trau­ten süßen Klas­si­kern auch uns eher unbe­kann­te tra­di­tio­nel­le Des­serts wie der Napf­ku­chen baba au rhum oder die puits d’a­mour (Lie­bes­brun­nen-Tört­chen), die im Lau­fe der Zeit im Land der Gour­mets etwas aus der Mode gekom­men sind.

Little Tokyo: Japanisches Paris entdecken

Eine ver­lo­cken­de Alter­na­ti­ve für Fein­schme­cker und Foo­dies bie­tet die Restau­rant­sze­ne von Litt­le Tokyo unweit des Lou­vre-Muse­ums. Die Schlag­ader des hip­pen Vier­tels bil­det die quir­li­ge Rue Sain­te-Anne, eine von his­to­risch bedeu­ten­den Gebäu­den gesäum­te Stra­ße, in der es neben den vie­len vor­wie­gend japa­ni­schen Restau­rants auch ein paar asia­ti­sche Des­sert­ca­fés und span­nen­de Geschäf­te wie das „Cool Japan“ zu ent­de­cken gibt. Eine gute kuli­na­ri­sche Adres­se ist das auf Ramen-Gerich­te spe­zia­li­sier­te Restau­rant Higu­ma. Unbe­dingt pro­bie­ren soll­te man die Vor­spei­se namens Gyo­za. Die mit Fleisch gefüll­ten Teig­ta­schen wer­den wie war­me Sem­meln über den Tre­sen der geschäf­ti­gen offe­nen Küche gereicht und schme­cken köst­lich. Also dann: Itad­aki­ma­su!

Spaziergang entlang der Seine

Gesät­tigt und zufrie­den bre­chen wir zur nächs­ten Etap­pe unse­rer Erkun­dungs­tour auf. Gemäch­lich schlen­dern wir von Brü­cke zu Brü­cke ent­lang des süd­li­chen Ufers der Sei­ne. Dabei schweift der Blick immer wie­der über die monu­men­ta­len Muse­ums­ge­bäu­de, wäh­rend Boo­te mit Tou­ris­ten­schwär­men an uns vor­bei­glei­ten. Ins­be­son­de­re bei Ein­bruch der Dun­kel­heit, wenn die Metro­po­le einen Gang run­ter­schal­tet und die sanf­ten Lich­ter der Later­nen auf der Fluss­ober­flä­che tan­zen, spürt man den legen­dä­ren oft besun­ge­nen Zau­ber von Paris.

Abendstimmung an der Seine in Paris
Der Pari­ser Charme lässt sich bei Nacht beson­ders gut erle­ben

Der Eiffelturm und die Geschichte der eisernen Dame

Es dau­ert eine gan­ze Wei­le, bis wir zur Bogen­brü­cke Pont d’Ié­na gelan­gen. Zu unse­rer Lin­ken erhebt sich einer der wohl iko­nischs­ten Tür­me der Welt gen Him­mel. Er ist statt­li­che 330 Meter hoch, 10100 Ton­nen schwer und sei­ne 20000 Lam­pen sor­gen zu jeder vol­len Stun­de für ein über­wäl­ti­gen­des Fun­kel­spek­ta­kel. Man mag es kaum glau­ben, aber die eiser­ne Dame von Paris war nicht immer so popu­lär wie heu­te. Aus­ge­rech­net am Valen­tins­tag des Jah­res 1887 ver­öf­fent­lich­te die Tages­zei­tung Le Temps ein Pro­test­schrei­ben, unter­zeich­net von einer beacht­li­chen Grup­pe von Schrift­stel­lern, Malern und Archi­tek­ten jener Zeit, die sich aus­drück­lich und unmiss­ver­ständ­lich gegen den Bau des „nutz­lo­sen und mons­trö­sen Eif­fel­turms“, wie sie ihn bezeich­ne­ten, posi­tio­nier­ten. Doch die Besu­cher der famo­sen Pari­ser Welt­aus­stel­lung von 1889, deren Kern- und Herz­stück der Eif­fel­turm war, lie­ßen sich von den unken­den Kri­ti­kern kei­nes­falls beir­ren. Rund 2 Mil­lio­nen von ihnen lie­ßen es sich auch nicht neh­men, auf die küh­ne Kon­struk­ti­on aus Stahl und Eisen hin­auf­zu­stei­gen, um den außer­ge­wöhn­li­chen Blick aus der Vogel­per­spek­ti­ve in die Fer­ne zu genie­ßen.

Eiffelturm
Der Eif­fel­turm ist ein Anzie­hungs­punkt für Mil­lio­nen von Rei­sen­den aus allen Ecken der Welt

Paris von oben erleben

Aktu­ell besich­ti­gen jähr­lich zwi­schen 6 bis 7 Mil­lio­nen Men­schen Frank­reichs höchs­tes Bau­werk. Von der obers­ten Eta­ge kann man bei kla­rer Sicht bis zu 80 Kilo­me­ter weit schau­en. Nur die klit­ze­klei­ne Cham­pa­gner-Bar ver­mag es, die herr­li­che Aus­sicht auf die Stadt der Lie­be und des Savoir-viv­re noch mehr zu ver­sü­ßen. Roman­ti­scher geht es kaum noch? Aber sicher! Eine Eta­ge tie­fer, bei einem gepfleg­ten Din­ner im ange­sag­ten Nobel­re­stau­rant Le Jules Ver­ne, wo kein Tag ver­geht, an dem nicht ein Hei­rats­an­trag über die Lip­pen eines der Gäs­te gebracht wird. Wenn schon, denn schon!


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