Zakho, 12 Kilo­me­ter zur Grenze, unser letz­ter Tag im Irak. Es gibt keine Post, auch unsere Cha­rade für Brief­mar­ken ern­tet nur leere Bli­cke. Doch eines kann man hier im gro­ßen Stil ein­kau­fen: Ziga­ret­ten. Ori­gi­nal­ware, alle Mar­ken. Die Schach­tel kos­tet 50 Cent, die Stange weni­ger als fünf Euro! Stan­dard­preis im Iraq.

Gerade, als wir die letzte Auf­nahme für unser Video­pro­jekt been­den (ein­mal wie­der mit grö­ße­rem Publi­kum), wer­den wir dis­kret von zwei Män­nern in west­li­cher Klei­dung ange­spro­chen. Iraqi Secret Ser­vice, wir las­sen uns erst mal den Aus­weis zei­gen. Nun gut, also unsere Pässe raus, miss­traui­scher Check. Neu­gie­rige Män­ner und Kin­der wer­den zischend weg­ge­scheucht. Ein Glück: Wir sind wohl doch keine Bedro­hung der jun­gen ira­ki­schen Demo­kra­tie und dür­fen weiter…

Über die Grenze

Wir haben Hor­ror­ge­schich­ten gele­sen über den Grenz­über­tritt zurück in die Tür­kei. Stun­den­lange Staus, Durch­su­chun­gen, Papiere, Stem­pel, Kopien. Früh­mor­gens Taxi zur Grenze, und die Aus­reise aus dem Iraq geht flott. Der Wech­sel des Taxis erweist sich als schwie­ri­ger: Das Auto, was uns für zusam­men hun­dert Dol­lar ins andere Land und nach Diyar­bar­kir brin­gen wird, füllt sich mit Stan­gen über Stan­gen Ziga­ret­ten. Ich bewa­che unser Gepäck, damit es nicht auch zufäl­lig erwei­tert wird.

Doch wir brau­chen uns keine Sor­gen zu machen: Der Fah­rer scheint ein paar aus­ge­zeich­nete Freunde unter den Grenz­be­am­ten zu haben. Unser Gepäck wird an einer der vie­len Checks geröntgt, aber die zahl­rei­chen Plas­tik­tü­ten mit Ziga­ret­ten­stan­gen, wild im Taxi ver­teilt, sind offen­sicht­lich unsicht­bar! Gleich­zei­tig wird ein wun­der­vol­les Thea­ter­stück auf­ge­führt, wie das ganze Auto, auch unter der Motor­haube, inten­siv unter­sucht wird… große Schauspielkunst!

Und wir wer­den – es gleicht einem Wun­der – (natür­lich nach ein paar wei­te­ren Stem­peln und Kon­trol­len) an der ewig lan­gen, immo­bi­len Aus­rei­se­schlange der Autos vor­bei­ge­schleust… und sind wie­der in der Türkei!

Ein Städt­chen wei­ter wird das Auto gewech­selt, unser neuer Fah­rer über­lässt dem alten ein dickes Bün­del Dol­lar, und ver­staut unter der Ver­klei­dung sei­nes Ford stan­gen­weise Marl­boro. Merke: Nicht immer ist ein Air­bag dort, wo Air­bag draufsteht!

Notizen zum Irak

♥ Die bil­ligs­ten Ziga­ret­ten: weni­ger als 50 Euro­cent für eine Schach­tel Gauloises.

♥ Die höchste Tem­pe­ra­tur: 53°C im Schat­ten, dazu ein hei­ßer Wüs­ten­wind, der alles noch schlim­mer macht.

♥ Der höchste Tem­pe­ra­tur­un­ter­schied: 35° C. Außen­tem­pe­ra­tur 53°C, Innen­tem­pe­ra­tur 18°C.

♥ Die freund­lichs­ten und hilf­reichs­ten Men­schen. Inner­halb von weni­gen Stunden:

  • Eine freie Taxifahrt.
  • Super­freund­li­che Hotel­re­cher­che in einem Hotel, in dem wir nicht übernachteten.
  • Sie­ben freie Mobil­funk­ge­sprä­che bei ver­schie­de­nen Personen.
  • Kos­ten­los Chai und Was­ser in einem Restau­rant (in dem wir nur auf jeman­den warteten).
  • Eine freie Mit­fahrt von einem Mann, der eigent­lich in die ent­ge­gen­ge­setzte Rich­tung fuhr.

♥ Das zweit­schlimmste Hotel­zim­mer in den 167 von Alex bereis­ten Län­dern (1.Platz: Mon­go­lei).

♥ Die meis­ten Check­points: Alle paar Kilo­me­ter Road­block, Pässe raus, miss­traui­sche Bli­cke, manch­mal aus­stei­gen, Autocheck.

 

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Ihr Zakho Bericht erin­nert mich an meine LKW Über­füh­rung 1983–84.
    Ja, genau in Kriegs­zei­ten mit dem Iran.
    Keine 30 Meter nach der Grenze im Irak reist die Kar­dan­welle ab. Ver­mut­lich haben nachts wel­che ver­sucht diese zu demon­tie­ren und die Schrau­ben schon entfernt.
    Dann, was tun? Jemand hat eine kur­di­sche Werk­statt informiert.
    Da war einer, so alt wie ich , „Mag­mal El Headada“. Die­ser organ­sierte ein Taxi nach Mosul. Zum ein­zi­gen Sca­nia Händ­ler. Für 1000DM ein Kar­dankreuz gekauft. Mit dem Taxi! zurück nach Zakho. Mag­mal El Headada für mit einem Die­sel Aggre­gat und Elek­tro­schwei­ßer zu mei­nem LKW. Sprühte Brems­flüs­sig­keit in das Gewin­de­loch. Warum? wurde mir bald klar. Er schweißte meh­rere cm eine Metall­ke­gel von der abge­ris­se­nen Schraube nach außen, OHNE das Gewinde zu berüh­ren, eine Vier­kant dran und schraubte den abge­ris­se­nen Kern her­aus. Die Brems­flüs­sig­keit war der Schutz­gas ersatz. DAS MACHT IHM HIER NIEMAND NACH !!
    Das schönste ich durfte einen Abend und die Nacht mit Dusche bei der kur­di­schen Fami­lie ver­brin­gen. Des­halb weiß ich das alles heute noch so gut. Her­vor­ra­gende Leute. Ich habe mir all die Jahre Sor­gen um sie gemacht. Ich wün­sche alles Gute und Dank an Mag­mal El Headada. Chris­tof Ermer – Regensburg

  2. Alex der Schwede says:

    Hallo Peter! Ich fand die Leute die sich mit turis­ten zu tun haben sehr auf­drin­gend. Es spilt keine Rolle wie viele Maale man nein gesagt hat, sie spra­chen weiter…Es beteu­det natur­lich nicht dass Alle leute fucht­bar sind. Aus­ser­dem spre­che ich Fran­zo­sisch (die Zweite Spra­che in Marocko) und ver­stand sehr wohl Dinge die nicht so nett waren. Auf jeden falls es ist meine Erfah­rung und die Leute erfa­ren Lan­der auf verschidene weisen…Jonny ist schon 2 Maal in Marocko…vielleicht er kann dir erzah­len was so gut ist…Es ist wie gesagt meine Erfa­rung dass ich mich nie in Ruhe fuhlte und nein ich wurde nicht das Land wie­der­be­su­chen, auch wenn ich wohl weiss dass es wun­der­schone Leute auch geben muss 

  3. Peter says:

    Hallo Klys,
    ich wollte noch fra­gen warum Alex Maroko haßt.
    Das er Ruß­land haßt kann ich ver­ste­hen, wobei ich nur in zen­trum Ruß­lands nega­tive Erfah­run­gen machte. Da Ruß­land sehr groß ist blei­ben noch viele nette Leute die sich nicht zu den Rus­sen zählen.
    Aber die Marok­ka­ner haben doch eine uralte Tra­di­tion als beson­ders gast­freund­li­ches Volk.
    Lei­der war ich noch nicht dort.
    Ser­vus Peter

  4. Peter says:

    Hallo Klys,
    nun ich bin immer allein gelau­fen und da sollte ich ange­ben wann ich wo bei wem über­nachte. Ist natür­lich nicht mög­lich und da hatte ich große Pro­bleme in Polen über­haupt eine Ein­rei­se­ge­neh­mi­gung zu bekommen(ist schon lange her), heute kann man es unter die­sen Umstän­den in Ruß­land auch vergessen.
    Ser­vus Peter

    1. klys says:

      für den iran musste ich auch einen detail­lier­ten rei­se­plan ange­ben. man­che län­der machen es einem nicht ganz ein­fach, tou­ris­ten­geld im land auszugeben…

  5. Peter says:

    Hallo,
    schöne Tour die Du machst und gute Doku!
    Kannst Du eigent­lich mit dem Rei­se­pass so ein­fach über die Grenzen.
    Habe von ande­ren gele­sen das da Mona­te­lange Vor­be­rei­tung nötig sind um über­haupt ein Visum zu bekommen.
    Habe selbst mal mona­te­lang für eine Geneh­mi­gung gewar­tet, war aber über Ver­eine und Für­spre­cher dann doch möglich.
    Ser­vus Peter

    1. klys says:

      Hi Peter, danke! Bin mir nicht ganz sicher was du meinst mit den Visa, aber beim kur­di­schen Teil des Irak kommt man mit dem Rei­se­pass für 10 Tage hin­ein, kos­ten­los. Für den ara­bi­schen Teil ist es aller­dings sehr schwie­rig bis unmög­lich. Bei ande­ren Län­dern gibt es natür­lich immer unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen und Wartezeiten…

  6. captain hook auf berg- und talfahrt says:

    zu dei­nen noti­zen: nette leute sind wirk­lich das beste was es gibt. weiss man aber erst zu schaet­zen wenns mal nicht so ist, gelle?

    1. klys says:

      hehe, da hast du wohl recht! (Marokko ist übri­gens nach Russ­land Alex‘ Hass­land Num­mer 2) ;-)
      Viel Spaß beim kraxeln!

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