Tief aus dem Inne­ren dröhnt die alte Die­sel­ma­schine, gleich­mä­ßig lässt sie die betag­ten Plan­ken vibrie­ren, unter­legt jedes Geräusch mit ihrem beru­hi­gen­den Bass. Auf den Prit­schen der zwei­ten Klasse auf dem unte­ren Deck lie­gen wild Gepäck­stü­cke und Men­schen ver­streut, und manch schnar­chen­der Kum­pane über­tönt mit Leich­tig­keit den rum­peln­den Schiffsmotor.
Doch steigst du die Eisen­stu­fen der klei­nen Trep­pen­gänge ganz hin­auf, nur ein paar Schritte wei­ter noch, bis hin­aus aufs offene Deck, so ist dir eines sicher: Der ein­ma­lige Zau­ber einer tro­pi­schen Nacht auf See.

Das Schiff glei­tet sanft über das schwarze Was­ser der Sulu See. Ohne Eile, doch schnur­ge­rade zieht es seine schau­mig­weisse Spur in die Dun­kel­heit. Nah am Hori­zont las­sen Blitze die weni­gen tief­hän­gen­den Wol­ken gelb­lich auf­leuch­ten. Und dann hebt sich dein Blick.

Wir lie­gen auf einer schma­len Bank und genie­ßen den fun­keln­den Ster­nen­him­mel, unter­legt mit dem Sound­track mei­nes iPods. Und ein ers­tes San Miguel, gut gekühlt. Nach der wenig her­aus­for­dern­den Zeit auf Bor­neo fühle ich: Es ist wie­der Zeit für ech­tes Rei­sen… und dies ist der per­fekte Start!

Schon viele Jahr­zehnte ver­rich­tet die „Danica Joy 2“ ihren Dienst, zwei­mal wöchent­lich fährt sie von der malay­si­schen Stadt Sanda­kan im Nord­os­ten Bor­neos nach Zam­boanga auf Mind­anao, der gro­ßen Insel im Süden der Phil­ip­pi­nen. Doch voll ist das Boot nicht mehr oft, viel zu teuer ist es mitt­ler­weile gewor­den: min­des­tens sieb­zig Euro kos­ten die gut 550 Kilo­me­ter, und es ist bil­li­ger zu flie­gen. Alex und ich sind die ein­zi­gen Tou­ris­ten, und ein dem­entspre­chen­des Schauspiel.

Doch die weni­gen Gäste spre­chen wie­der ein­mal für sich: Alex wird von einem alten Phil­ip­pino ange­spro­chen, er rezi­tiert ihm roman­ti­sche Gedichte, lässt sei­nem Unmut freien Lauf, dass die spaß­freien Alli­ier­ten den „gro­ßen Patrio­ten“ Hit­ler bom­bar­diert und „alles kaputt“ gemacht haben und ver­spricht ihm schließ­lich eine Zukunft als „great man“, weil er „very hand­some“ ist. Nur darf er kei­nem davon erzäh­len, sonst wer­den sie ihn „sabo­tie­ren“, so wie es ihm einst ergan­gen ist…

Mit den kur­zen Prit­schen im hei­ßen unte­ren „Aircon“-Deck kön­nen wir uns nicht anfreun­den, es schnarcht aus allen Ecken, und als ein Kerl neben mir sich kom­plett voll­kü­belt und mir dabei ver­dutzt in die Augen schaut, wäh­rend ihm die Suppe aus dem Mund läuft, ist Ende – drau­ßen ist es viel zu schön, und trotz des Fahrt­winds herr­lich warm. Steu­er­bord zie­hen die unzäh­li­gen Inseln des Sulu-Archi­pels an uns vorbei.

Drei­und­zwan­zig Stun­den spä­ter läuft die Danica Joy 2 in den Hafen von Zam­boanga City ein. Wir sind auf Mind­anao. Ein Ort bei dem Außen­mi­nis­ter ein ner­vö­ses Zucken befällt. Dies ver­spricht inter­es­sant zu werden…

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Dani says:

    Begeis­te­rung, Bei­fall … Rei­se­mo­mente wie diese. Prit­schen, Charme und das Sternenzelt.
    Dau­men hoch … gefällt mehr wie gut.
    Danke sagt Dani

  2. Jonny says:

    also, warum Du noch kei­nen Rei­sebur­nout hast, ist mir ein Rät­sel, Du düst ja da in einem Tempo durch die Land­schaft und läßt wirk­lich nichts aus, wahnsinn…

  3. Jens says:

    Ich hätte mal gerne dei­nen Behin­der­ten­aus­weis gese­hen, wenn du schon alten und gebrech­li­chen Per­so­nen das Bett weg­nimmst!! Immer diese Neckermänner ;-)

  4. siolita says:

    Ster­ne­gu­cken auf offe­ner See, him­mel­blaue Dop­pel­stock­prit­schen und der raue Charme von ros­ti­gen Maschi­nen – Scheiß auf AIDA und Queen Mary II..
    Wie siehtn der Kapi­tän auf so nem Schiff aus? Der trägt doch statt Kapi­täns­mütze sicher n smart aus­ge­frans­ten Strohhut..

    1. klys says:

      ja, denkste! aber ich hab nie her­aus­ge­fun­den, wer von den jungs die da im pilot house rum­han­gen der boss von dat janze war. hat­ten alle keine kopf­be­de­ckung, sowas!

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