In mei­ner ältes­ten Erin­ne­rung bin ich fünf Jahre alt und esse eine Süßig­keit, Dulce de Leche, in einem klei­nen Dorf im Nor­den Argen­ti­ni­ens. Ich erin­nere mich genau an die Leute, die dort waren, die Stim­mung, und natür­lich wie diese Süßig­keit geschmeckt hat. Ich habe kein Foto von die­ser Situa­tion, aber meine Seele hat alles gespeichert.

Viele Jahre spä­ter schwimme ich mit Johan­nes in einer Lagune. Beim ers­ten Anblick, die Lagune war nicht etwas Beson­de­res. Aber nach einer Abzwei­gung fin­den wir ein sehr schöne Stelle, die von Fels­wande umge­ringt war, nur durch eine kleine Öff­nung zugänglich.

Wir waren ganz allein, das klare Was­ser hatte eine inten­siv dunkle Farbe. Und die Fel­sen waren von Blu­men bedeckt, Blu­men die ich wie­der­erkannt, da meine Mut­ter daheim viel Geld dafür bezahlt. Wun­der­schön. „Warum haben wir keine Kamera! Ich muss unbe­dingt eine haben!“ Ich finde mich damit schnell ab und genieße die unwirk­li­che Schön­heit… sie weckt Erin­ne­run­gen in mir.

„Johan­nes“, rief ich, „du musst unbe­dingt hier kom­men um diese Koral­len anzu­schauen!“ „Ich will nicht“, sagt er, „ich friere.“ Ich bestehe dar­auf. Er kommt und sieht auf die Koralle. „Aha. Die Koralle ist tür­kis“, sagt er gleich­gül­tig. Natür­lich erle­ben wir Plätze auf unter­schied­li­che Weise und das gesamte Erleb­nis besteht von vie­len inne­ren und äuße­ren Dimensionen. ;-)

Wenn ich dar­über denke, finde ich es gut, dass ich keine Kamera dabei hatte. Ich konnte die Erin­ne­rung nicht in ein Foto aus­la­gern, und wurde gezwun­gen alle meine Sinne zu benut­zen um alles in mir zu spei­chern. Zu Seelegrafieren.

Saint-Exu­pery schrieb in der Kleine Prinz: Das Wich­tigste ist für die Augen unsicht­bar. Viel­leicht wir soll­ten manch­mal weni­ger Bil­der neh­men und mehr erle­ben. Nein, ich habe euch kein Foto zu zei­gen, aber das könnte auch in kei­nem Fall mein Erleb­nis vermitteln…

Ein paar Fotos haben wir aber natür­lich trotz­dem: Von ande­ren Plät­zen in den Inseln und Lagu­nen bei El Nido, im Nor­den Palawans…

Johannes Klaus

Johannes Klaus hängte seinen Job als Grafikdesigner an den Nagel, um 14 Monate um die Welt zu reisen. Seine Website Reisedepesche wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In unbeobachteten Momenten streichelt er den Preis zärtlich, besteht ansonsten aber darauf, dass ihm so was völlig egal sei.

  1. Georg Karp says:

    Die hier vor­ge­stell­ten See­le­gra­fien gehen wirk­lich unter die Haut. Und die­ser Sub­sti­tu­ti­on­be­griff für das lang­wei­lige Wort Foto­gra­fie­ren sollte öfters ver­wen­det wer­den, wenn die emo­tio­nale Kom­po­nente die tra­gende Rolle im Motiv spielt. Also, bitte wei­tere seelegrafieren.

  2. Nicole says:

    „See­le­gra­fie­ren“, das könnte mein Lieb­lings­wort des Jah­res werden. 

    sehr schöne Seite mit ein­ma­li­gen Bil­dern und Berich­ten, die bes­ser in kei­nem Rei­se­füh­rer zu fin­den sind. Meine Seele macht sich da auch eigene Bil­der davon und lässt mich das ein oder andere fast leben­dig miterleben. 

    Ganz liebe Gru­esse aus Mannheim

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