Der Süden der Toskana lockt nicht nur mit märchenhaften Landschaften, sondern auch mit geschichtsträchtigen Städten, endlosen Stränden und reizvollen Freizeitangeboten.
Gemütlich gleitet der kleine Fiat durch die liebliche Landschaft der Toskana. Sanfte Hügel erheben sich überall, umgeben von grünen Wiesen und goldenen Weizenfeldern. Mit schlanken Zypressen gesäumte Alleen schlängeln sich zu stattlichen Herrenhäusern, abertausende Mohn- und Sonnenblumen leuchten um die Wette. Auch Weinberge und Olivenhaine gibt es hierzulande in Hülle und Fülle. Und immer wieder stößt man auf Dörfer und Städte, die pittoresker nicht sein könnten. Kurzum: Eine Postkartenidylle durch und durch!
Etwa eine Stunde dauert die Fahrt vom Florentiner Flughafen Amerigo Vespucci nach San Donato. Das winzige Dorf mit seinen wenigen Einwohnern und kaum einer Handvoll Hotels befindet sich am Rande des Naturschutzgebiets von Castelvecchio. Das rund 700 Hektar große, mit Buchen und mediterraner Macchia bewachsene Waldgebiet ist ein beliebter Anziehungspunkt für Wanderer und Mountainbiker. Seinen Namen hat es einem mittelalterlichen Dorf mit Burg und Kirche zu verdanken, dessen Ruinen man allerdings nur in Begleitung eines Reiseführers besichtigen darf. In dem Reservat sind Damhirsche, Wildschweine, Füchse und sogar Wanderfalken beheimatet. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ab und an ein Fuchs vor dem Hotel aufkreuzt und sich, in der Hoffnung etwas zu essen zu ergattern, vorsichtig in die Lobby vortraut. Da staunt man nicht schlecht – nur die Hotelkatze scheint unbeeindruckt zu sein.
Ganz gleich, ob in einem Hotel oder auf einem der Agriturismo-Höfe – im ruhigen Hinterland rund um die Kleinstadt San Gimignano fällt es einem leicht, die Seele baumeln zu lassen: Man kann reiten, in den Weinbergen spazieren gehen, mit der Leihvespa durch die Felder düsen oder einen Yogakurs besuchen. Oder man lässt sich kulinarisch verwöhnen, probiert sich durch die Weine der Region und nimmt anschließend an einer Führung durch die Keller der ansässigen Winzer teil. Wir entscheiden uns kurzerhand für einen Abstecher ins „Manhattan der Toskana“.

Schon aus der Ferne erkennt man die markanten Geschlechtertürme von San Gimignano. Insgesamt sind es 15 an der Zahl. Gegen 1300 reckten sich in der damals wichtigen Pilgerstation auf der Via Francigena sogar mehr als 70 der kühnen Steintürme in die Höhe. Einerseits sollten sie vor feindlichen Übergriffen schützen, andererseits den Einfluss der dortigen Adelsfamilien zum Ausdruck bringen. Je höher der Turm, desto bedeutender war das Adelsgeschlecht. Der 54 Meter große Rathausturm überragt alle anderen. Er gehört zum Palazzo Comunale am Domplatz und darf auch bestiegen werden. Dort oben liegt einem die Hügellandschaft des Elsatals in ihrer ganzen Pracht zu Füßen.
Direkt unter dem Torre Grossa herrscht reges Treiben. Ein paar ältere Herrschaften sitzen auf eigens mitgebrachten Stühlen im Schatten des Arkadengangs auf ein Schwätzchen, Schaulustige schlendern auf dem Platz umher oder rasten auf den Stufen der Stiftskirche Santa Maria Assunta. Nur ein paar Schritte weiter, an der Piazza della Cisterna, dem dreieckigen Platz mit dem historischen Travertinbrunnen, liegt die Gelateria Dondoli – eine der angesagtesten Eisdielen der Toskana. Neben den Eisklassikern gibt es hier auch mehrere originelle Geschmacksrichtungen wie „Crema di Santa Fina“, Vanille-Eiscreme mit Pinienkernen und Safran aus der Region, oder „Sorbetto di Vernaccia“, ein Wein-Sorbet, in dem der bekannte Weißwein Vernaccia di San Gimignano enthalten ist.
Il mare chiama! Das Meer ruft! Wir ziehen weiter nach Castiglione della Pescaia. Das idyllische Hafenstädtchen an der Maremma-Küste ist nicht ohne Grund bei Mailändern und Römern sehr populär, denn es punktet sowohl mit einem kilometerlangen, feinsandigen Strand als auch mit einem pulsierenden Nachtleben. Der Ort lässt sich einiges einfallen, um seine Besucher zu bespaßen: Vielerorts spielen Live-Bands der unterschiedlichsten Musikrichtungen, auf einem kleinen Platz an der Via Roma wird zu italienischen Folkloreklängen getanzt, waghalsige Akrobaten sowie Straßenkünstler halten die Passanten auf Trab. Auch kulinarisch wird viel geboten: Ob auf der quirligen Via della Libertà oder in den beschaulichen Gassen rund um die mittelalterliche Burg, die Restaurants und Pizzerien sorgen für lukullische Genüsse: Pasta mit toskanischer Wildschweinsauce oder Meeresfrüchten, gegrillter Tintenfisch, Trüffelpizza – man hat die Qual der Wahl!

In der Hochsaison kann es am Strand von Castiglione della Pescaia ziemlich voll werden. Einfach mal in Ruhe auf der Liege einen Roman von Elena Ferrante oder Marco Balzano lesen – eher Fehlanzeige! Windsurfen, Schwimmen, Sonnenbaden sowie Plaudern gehören hier zum Programm. Wir lernen Mariella und Dania, zwei waschechte Toskanerinnen, kennen. In einem Kauderwelsch aus Italienisch und Englisch schwärmen sie vom Charme Sienas und von der Piazza del Campo. Wenn es nach Mariella geht, ist dies der schönste Platz der Welt. Den möchten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Also: Ab nach Siena.
Die Piazza del Campo ist nicht nur wunderschön, sondern auch einer der größten mittelalterlichen Plätze Europas. Sie erstreckt sich in Form eines Amphitheaters vor dem Palazzo Pubblico aus dem 14. Jahrhundert, dem Rathaus von Siena. Sobald der Platz im Schatten liegt, setzt man sich hier für gewöhnlich aufs Pflaster, um die ausgelassene Stimmung und den Blick auf den Backsteinpalast mit seinem 102 Meter hohen Turm zu genießen. Nur einen kurzen Fußweg entfernt liegt ein weiteres Wahrzeichen: Der Dom von Siena thront erhaben auf dem höchsten Punkt der Stadt. Von außen beeindruckt die detailreich verzierte Fassade des gotischen Kirchenbaus, im Inneren der kunstvolle Marmorboden, die mit Sternen geschmückte Kuppeldecke sowie die unzähligen Fresken – allen voran die der angrenzenden Piccolomini-Bibliothek.

An manchen Ecken der Stadt sieht man Kunststudenten, die sich in kleinen Grüppchen versammeln, um zu zeichnen oder zu malen. Und nicht zuletzt fällt auf: In den verwinkelten Gassen wimmelt es nur so von Museen, Galerien, Antiquitätenläden und Feinkostgeschäften. Nach unserem Spaziergang schauen wir, zu guter Letzt, noch kurz beim Consorzio Agrario vorbei, denn der Genossenschaftsladen an der Via Pianigiani ist die perfekte Adresse, um sich mit toskanischen Lebensmitteln und köstlichen Leckerbissen für die Heimat einzudecken – als Erinnerung an die erlebnisreiche Reise.


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