Travel eSIM in Japan – Smartphone mit mobiler Navigation in Tokio

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Zwei SIMs, zwei Wochen Japan – und die Frage, wie erreichbar man im Urlaub sein will

„Mama, du hast doch gesagt, in Japan funktio­niert alles.“ Wir standen seit ungefähr sieben Minuten am Bahnhof von Narita, und meine Tochter Mara hielt mir mein eigenes Handy hin, als wäre es Beweismaterial. Auf dem Display: eine Karte von Tokio, sehr viele Linien, sehr viele japani­sche Schriftzeichen – und irgendwo dazwi­schen zwei Menschen aus Leipzig, die zwar Internet hatten, aber trotzdem nicht wussten, in welchen Zug sie steigen sollten. Immerhin das Internet funktio­nierte.

Ich hatte vor der Reise zum ersten Mal eine Travel-eSIM instal­liert. Nicht aus Technikbegeisterung, sondern weil ich keine Lust hatte, nach der Landung als Erstes WLAN-Passwörter, SIM-Karten-Automaten oder Roaming-Konditionen zu studieren. Zwei Wochen Japan lagen vor uns: Tokio, Kamakura, Kyoto, Nara und Osaka. Und damit auch eine Frage, die zunächst banal klingt: Wie erreichbar möchte ich unter­wegs eigent­lich sein?

Travel-eSIM statt Roaming: Was bringt das?

Eine eSIM ist im Grunde eine digitale SIM-Karte. Statt Plastik ins Telefon zu stecken, instal­liert man auf einem kompa­ti­blen Smartphone ein zusätz­li­ches Mobilfunkprofil. Für Reisende ist das praktisch: Die eSIM übernimmt im Ausland die mobilen Daten, während die heimi­sche Nummer parallel im Gerät bleiben kann.

Für Japan hatte ich einen Tarif von ⁠TripoSIM einge­richtet. Der Anbieter deckt nach eigenen Angaben mehr als 200 Reiseziele ab. Die eSIM kommt per QR-Code, im Hintergrund werden verschie­dene Anbieter bezie­hungs­weise Netze genutzt; bei Verbindungsproblemen soll automa­tisch auf eine Alternative gewech­selt werden können.

QR-Code scannen und eSIM hinzu­fügen war tatsäch­lich schnell erledigt. Danach wollte mein Telefon aller­dings wissen, welche Leitung für Daten, Anrufe und Nachrichten zuständig sein sollte. Mara schaute über meine Schulter. „Weißt du, was du machst?“ – „Absolut.“ – „Warum liest du dann die Anleitung zum dritten Mal?“ Kinder sind für techni­schen Support ungeeignet, aber hervor­ra­gend für Qualitätskontrolle.

Tokio: Internet verhindert nicht, dass man sich verläuft

Nach der Landung aktivierte ich die Reise-eSIM für mobile Daten. Kurz darauf liefen Nachrichten, Navigation und Zugverbindungen, ohne dass ich nach einem Shop oder Flughafen-WLAN suchen musste. Das war angenehm unspek­ta­kulär. Trotzdem liefen wir in Shinjuku einmal fast komplett um einen Häuserblock, obwohl wir laut Karte längst am Hotel waren. „Vielleicht ist es unsichtbar“, sagte Mara. Es befand sich hinter uns.

Genau darin lag für mich nach den ersten Tagen der eigent­liche Vorteil: Ich musste über die Verbindung kaum noch nachdenken. Karten, Übersetzungen und Fahrpläne waren verfügbar. Eine Travel-eSIM macht Reisen aller­dings nicht automa­tisch störungs­frei. Auch 4G oder 5G garan­tieren keinen perfekten Empfang; Netzabdeckung, Standort und Auslastung spielen weiterhin eine Rolle. In Kamakura brauchte eine Suche einmal länger als erwartet. Dass TripoSIM mehrere Anbieter einbindet und bei Problemen wechseln kann, finde ich deshalb inter­es­santer als theore­ti­sche Höchstgeschwindigkeiten. Im Alltag will ich vor allem, dass die Karte lädt, wenn ich vor einer Kreuzung stehe.

Kyoto: Plötzlich war die deutsche Nummer doch wichtig

Vor der Reise hatte ich gedacht, meine deutsche Telefonnummer sei in Japan ungefähr so wichtig wie mein Bibliotheksausweis. Dann wollte ich etwas online bestä­tigen und der Code sollte per SMS an genau diese Nummer gehen.

Hier zeigte sich der Vorteil der Zwei-SIM-Lösung. Die Reise-eSIM war für Daten zuständig, meine deutsche Leitung blieb parallel im Telefon. Das heißt aller­dings nicht, dass automa­tisch alle Dienste der Heimat-SIM kostenlos weiter­laufen. Welche Kosten für SMS oder Anrufe entstehen können, hängt weiterhin vom eigenen Mobilfunkvertrag ab.

Interessant ist in diesem Zusammenhang HomeLink von TripoSIM. Damit können einge­hende Anrufe auf der Heimatnummer über eine Datenverbindung in der TripoSIM-App ankommen. Dafür muss vor der Reise eine Rufumleitung einge­richtet werden, und die Funktion ist nur für unter­stützte Herkunftsländer verfügbar. Für mich ist das ein sinnvoller Unterschied: Eine Reise-eSIM muss die Heimatnummer nicht ersetzen. Sie kann die Daten übernehmen, während die alte Nummer dort erhalten bleibt, wo man sie noch braucht.

Nara: Immer online – aber wozu eigentlich?

In Nara passierte dann etwas Seltsames: Mein Telefon funktio­nierte tadellos, und ich wollte es trotzdem nicht benutzen. Mara hatte gerade festge­stellt, dass die berühmten Hirsche deutlich weniger märchen­haft wirken, sobald einer ernst­haft an ihrer Tüte mit Reiskräckern inter­es­siert ist. Einer folgte ihr, dann zwei. „Mama!“ Ich machte ein Foto. „Mama!“ Noch eins.

Da fiel mir auf, wie merkwürdig das Versprechen „immer verbunden“ eigent­lich ist. Eine eSIM besei­tigt eine kleine Reibung des Reisens: Man landet, kann navigieren, übersetzen, buchen und Nachrichten verschi­cken. Gleichzeitig macht genau diese Bequemlichkeit es leicht, die Gewohnheiten von zu Hause mitzu­nehmen: Mails prüfen, Nachrichten beant­worten, noch schnell etwas nachsehen. Das Problem perma­nenter Erreichbarkeit löst keine SIM-Karte. Dafür gibt es weiterhin den Flugmodus.

Osaka: Würde ich es wieder machen?

Am Ende unserer Reise saßen Mara und ich in Osaka zwischen zwei Koffern und mehreren Tüten mit Dingen, für die in diesen Koffern definitiv kein Platz mehr war. Mein Handy hatte inzwi­schen zwei Wochen mit zwei Mobilfunkleitungen verbracht – und ich hatte weitge­hend aufge­hört, darüber nachzu­denken. Das ist wahrschein­lich das größte Kompliment, das ich Technik machen kann.

Ich würde auf einer ähnli­chen Fernreise wieder eine Travel-eSIM verwenden. Vor allem, weil sie sich vor der Abreise instal­lieren lässt und nach der Landung direkt Daten liefern kann. Beim nächsten Mal würde ich aller­dings noch genauer prüfen, welche Einstellungen mein Telefon für Dual-SIM und Datenroaming braucht und welche Kosten über meine deutsche SIM entstehen können.

Eine Travel-eSIM ist deshalb nicht automa­tisch die beste Lösung für jede Reise. Wer bereits günstiges Roaming im eigenen Vertrag hat, braucht sie mögli­cher­weise gar nicht. Innerhalb der EU sieht die Rechnung ohnehin anders aus als bei einer Reise nach Japan. Und natür­lich muss das eigene Smartphone eSIM und gegebe­nen­falls den paral­lelen Betrieb zweier Leitungen unter­stützen.

Am letzten Abend fragte Mara mich, ob ich inzwi­schen heraus­ge­funden hätte, wie wir am nächsten Morgen zum Flughafen kommen. „Natürlich“, sagte ich. „Mit welchem Zug?“ Ich öffnete die Karte und schwieg kurz. „Ich recher­chiere noch.“

Das Internet funktio­nierte ausge­zeichnet. An mir mussten wir weiterhin arbeiten.



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