Isle of Mull: zwischen Walen und Hochlandrindern

Der Wes­ten Schott­lands ist ein Natur­pa­ra­dies. Mil­des Kli­ma, das tie­fe, zer­klüf­te Meer und ein­sa­me Land­stri­che zie­hen etli­che Tie­re an. Vor allem die Hebri­den­in­sel Isle of Mull ist für ihr Wild­le­ben berühmt. Vom einem Wal-Pfad an Land las­sen sich Rie­sen­haie, Del­fi­ne, Zwerg- oder auch Buckel­wa­le super beob­ach­ten.


Minu­ten­lang spie­len sie. Sur­fen auf den Wel­len. Sprin­gen über die Gischt. Ein­zeln, paar­wei­se, eine Mut­ter mit Jung­tier. Mühe­los glei­tet das hal­be Dut­zend Del­fi­ne neben der Fäh­re her. Die „Shows“ sind im Sound of Mull nor­mal. Zwi­schen schot­ti­scher West­küs­te und Hebri­den-Archi­pel flie­ßen der Golf­strom und kal­te Was­ser­mas­sen aus dem Nord­at­lan­tik zusam­men – das lockt Plank­ton, Fische, Wale, See­hun­de, Rie­sen­haie, Orcas, Tümm­ler.

Der alte Woll­han­del-Hafen Oban ist ein wich­ti­ges Tor zu den Inseln: Mull errei­chen Boo­te in knapp einer, Coll in zwei, Tiree in drei Stun­den. Jede der grö­ße­ren Hebri­den hat einen eige­nen Cha­rak­ter. Die Isle of Mull ist für ihr Wild­le­ben berühmt. Seit ein paar Jah­ren jagen See- und Stein­ad­ler in den Moo­ren, den tie­fen Tälern, an der über 500 Kilo­me­ter lan­gen, ein­sa­men Küs­te. Gera­de 2.800 Men­schen leben auf der viert­größ­te Insel Groß­bri­tan­ni­ens.

Das male­ri­sche Tober­mory ist Haupt­ort der Insel Mull (© Mat­thi­as Kutz­scher)

Wäh­rend Autos und Leu­te die Fäh­re in Craig­nu­re auf Mull ver­las­sen, plantscht ein Otter in den See­gras­wie­sen neben­an. Hin­ter dem klei­nen Hafen warnt ein rot­wei­ßes Schild, dass Was­ser­mar­der ger­ne mal wan­dern gehen. Auf Mull tum­melt sich eine der größ­ten Otter-Popu­la­tio­nen des Lan­des. Schnell fah­ren, ist sowie­so nicht mög­lich. Die Wege sind ein­spu­rig mit Hal­te­buch­ten. War­ten, zurück­set­zen, bedan­ken: so geht es über kars­ti­ge Ber­ge, an bemoos­ten Eichen und Eschen, tief­grü­nen Wei­den ent­lang. Immer wie­der ver­läuft die Stra­ße am Meer. Grau­rei­her ste­hen rum. Rob­ben dösen. Grün­schen­kel picken im Schlick. Und kei­ner hupt, wenn Tou­ris­ten Bil­der schie­ßen.

An der Nord­west-Küs­te thront das düs­te­re Land­haus Glen­gorm. Ein Pfad schlän­gelt sich an einem Stein­kreis aus der Eisen­zeit vor­bei nach Dùn Ara. Das ver­fal­le­ne Fort ist ein Aus­sichts­punkt des schot­ti­schen Wal-Pfads. „Rie­sen­haie, Del­fi­ne, Wale kom­men hier nah am Land vor­bei und las­sen sich super beob­ach­ten“, sagt Siob­han Moran. „Wir möch­ten, dass Besu­cher das mari­ti­me Wild­le­ben nach­hal­tig erfor­schen und gleich­zei­tig wol­len wir die loka­len Gemein­den för­dern“, erklärt die 36-jäh­ri­ge Ran­ge­rin des „Hebride­an Wha­le & Dol­phin Trust“. Kar­ge Land­schaf­ten, dunk­le Win­ter, kaum Men­schen: Das Leben in West-Schott­land war nie ein­fach.

Wel­len prü­geln auf das Ufer. Die Luft aber ist klar. Weit wan­dert der Blick zu Inseln, die wie ein Wall die Küs­te schüt­zen. Lair, Har­ris, Coll kle­ben am Hori­zont. Um die Ecke ver­ste­cken sich Staf­fa mit einer statt­li­chen Kolo­nie Papa­gei­tau­cher und Iona. Von hier begann der iri­sche Mönch Colum­ba ab 563 nach Chris­tus die Chris­tia­ni­sie­rung Bri­tan­ni­ens. 33 Spots zählt der Wal-Pfad – an der gesam­ten West­küs­te Schott­lands, auf den Inne­ren sowie Äuße­ren Hebri­den. Die Strän­de, Leucht­tür­me, Klip­pen, Piers, uralten Wehr­an­la­gen sind gut erreich­bar, lie­fern präch­ti­ge Bil­der und Schutz in uri­gen Loka­len vor wil­dem Wet­ter.

Die Ran­ger Siob­han Moran und Karl Ste­vens sind Wal- und Del­fin-Exper­ten und füh­ren über den Wal-Pfad auf der Isle of Mull (© Mat­thi­as Kutz­scher)

Wo genau gro­ße Mee­res­säu­ger ent­deckt wer­den, zei­gen Live­da­ten auf der Web­sei­te des „Trust“ (www.hwdt.org/). 23 Wal- und Del­fin­ar­ten besu­chen Schott­land nur, acht leben in den glas­kla­ren Gewäs­sern. „Über eine App kann jeder Sich­tun­gen ein­tra­gen“, erläu­tert Karl Ste­vens, der den Wal-Pfad mit ent­wor­fen hat. Von April bis Okto­ber führt er zu den Spots auf Mull. Start­punkt ist die Geschäfts­stel­le der gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft in Tober­mory.

Die gel­ben, roten, blau­en, pin­ken Häu­ser der Dörf­chens leuch­ten über die Hafen­bucht, in die klei­ne Was­ser­fäl­le stür­zen. Ein Otter, der ger­ne vor­bei­schaut, ist eine loka­le Berühmt­heit. „Bleibt er ein paar Tage weg, machen wir uns schon Sor­gen“, feixt Karl. Die Whis­ky-Bren­ne­rei wur­de 1798 gegrün­det, das Café Fisch ser­viert fei­ne Jakobs­mu­scheln, Stein­butt, Aus­tern, Lachs, Makre­len. Im tra­di­tio­nel­len Mish­nish Pub nur ein paar Meter wei­ter spie­len regel­mä­ßig Live­bands – mal Rock, mal kel­ti­sche Fid­del-Musik. 

Allei­ne auf Mull lie­gen drei Beob­ach­tungs­pos­ten des „Wha­le Trail“. Duart Cast­le, das vor 800 Jah­ren vom Maclean Clan gebaut wur­de, gehört dazu. Vor den mäch­ti­gen Mau­ern der Burg tref­fen sich der Sound of Mull, der See Loch Linn­he und die Meer­enge Firth of Lorn. Wo die Was­ser­mas­sen auf­ein­an­der­pral­len, bil­den sich ruhi­ge Flä­chen. Genau hier jagen scheue Schweins­wa­le und die bis zu vier Meter gro­ßen Del­phi­ne. „Wir sehen fast jeden Tage Mee­res­säu­ger“, erzählt der 77-jäh­ri­ge Sir Lach­lan. „Das bringt uns neue Besu­cher“, sagt der Clan­chef der Maclean. Auf dem Stein­turm des Cast­le fegt der Wind. Mit Fern­glä­sern suchen Wal-Beob­ach­ter das Was­ser ab. Immer wie­der erspä­hen sie Flos­sen und jubeln.

Rei­se­infor­ma­tio­nen

Anrei­se
easy­Jet, Euro­wings und Ryan­air flie­gen güns­tig nach Edin­burgh. Von der schot­ti­schen Metro­po­le gehen regel­mä­ßig Züge nach Glas­gow. Oban ist von Glas­gow per Zug, Bus und Pkw gut erreich­bar. Von Glas­gow fliegt die schot­ti­sche Gesell­schaft Logan­air die Hebri­den-Inseln Islay, Tiree, Bar­ra, Ben­be­cu­la und Lewis an.

Über­nach­ten
In Glas­gow sind „The San­dy­ford Lodge” sowie das „Dako­ta“ zu emp­feh­len. In Oban lohnt das B&B „The Scot“, in Tober­mory auf Mull das Wes­tern Isles Hotel, das B&B „Har­bour Guest House“ und das „Wil­low Cot­ta­ge“. Auf Iona sind die Selbst­ver­sor­ger-Hüt­ten „Iona Pods“ span­nend.

Kli­ma
Bes­te Rei­se­zeit sind Mai und Sep­tem­ber. Dann ist es rela­tiv warm und es reg­net sel­te­ner.

Tipps
Auf www.visitscotland.com/ fin­den sich viel­fäl­ti­ge Infor­ma­tio­nen und Rei­se­tipps

Bar­kul­tur
Live­mu­sik gehört zu Schott­land wie Regen und Whis­key: Einer der bes­ten Clubs in Glas­gow ist das „King Tut´s Wah Wah Hut“, in Oban muss es der „Oban Inn“ sein, in Tober­mory das „Mish­nish“.

Gleich neben dem Fähr­an­le­ger in Oban: Folk­mu­sik hört man in Schott­land über­all. Die »Fidd­le« gehört neben Gitar­re, Akkor­de­on und Bodhrán, einer Trom­mel, zu den klas­si­schen Folk­in­stru­men­ten (© Mat­thi­as Kutz­scher)

Die Recher­che wur­de von Visit­S­cot­land unter­stützt.


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