Sehnsuchtsziel Kopenhagen: Großstadtluft macht frei

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Sehnsuchtsziel Kopenhagen: Großstadtluft macht frei

Einst fand Hans Christian Andersen in Kopenhagen sein ganz persön­li­ches Glück. Auch Reiselustige werden in der dänischen Hafenstadt fündig, denn hier vereinen sich nordi­sche Gemütlichkeit und großstäd­ti­sches Flair auf wunder­bare Weise mitein­ander. Ein Städtetrip nach Kopenhagen.

Kaum dass der Himmel sich aufklärt und die ersten warmen Lichtstrahlen sich über die Dächer und Plätze verteilen, schon lockt es die sonnen­hung­rigen Kopenhagener nach draußen. An urbanen Freizeit- und Rückzugsorten scheint es in der nordi­schen Metropole wirklich nicht zu mangeln – ganz im Gegenteil. Davon kann man sich schon beim aller­ersten Erkundungsspaziergang entlang des Hafenkanals überzeugen, der sich – breit wie ein Fluss – durch die dänische Hauptstadt zieht.

Direkt am Hafenkanal, neben dem Königlichen Schauspielhaus, einem zeitge­nös­si­schen Kulturbau aus Glas und dunklem Ziegelstein, befindet sich der Ofelia-Platz: ein maritimer Treffpunkt, der aufgrund seiner ungezwun­genen, legeren Atmosphäre bei den Kopenhagenern große Beliebtheit genießt. Die einen verschnaufen auf den hölzernen Sitzstufen am Pier, andere sonnen sich auf ihren Badetüchern oder in einem der unzäh­ligen Liegestühle, und wieder andere lassen den Arbeitstag bei einem Feierabendgetränk ausklingen. Fürs leibliche Wohl sorgen die Freiluftbar „Luftkastellet“ und ein paar Foodtrucks. Manch ein mutiger Schwimmer traut sich sogar, ins kühle dunkel­blaue Wasser des Hafenbeckens hinein­zu­springen.

Am Ofelia-Platz lässt es sich gut aushalten
Am Ofelia-Platz lässt es sich gut aushalten

Unbezahlbar ist der Blick auf den Innenhafen mit seinen alten Lagerhäusern, den statt­li­chen Holzseglern und der gegen­über­lie­genden Königlichen Oper, die aus der Feder des Stararchitekten Henning Larsen stammt. Der moderne Prestigebau mit dem weit hervor­tre­tenden Dach – konstru­iert aus Glas, Beton und Metall – fällt vor allem durch seine exponierte Uferlage auf.

Die Königliche Oper thront am östlichen Ufer des Innenhafens
Die Königliche Oper thront am östli­chen Ufer des Innenhafens

Man muss nicht lange herum­schlen­dern, um zu bemerken, dass die Kopenhagener keine Bewegungsmuffel sind. Immer wieder sieht man Wasserbegeisterte, die mit ihren Kajaks durch die Kanäle paddeln. Die endlose Promenade lädt zum Joggen und Spazieren ein, kleine Bodentrampoline animieren die Passanten zum Hüpfen und Springen. Und überhaupt ist man hierzu­lande für gewöhn­lich mit dem Fahrrad unter­wegs, was bei solch einem gut ausge­bauten Radwegenetz und sündhaft teuren Parkgebühren natür­lich auf der Hand liegt.

Keine Frage, mit dem Rad oder zu Fuß lässt sich die Innenstadt hervor­ra­gend erkunden. Viele der Sehenswürdigkeiten liegen nah beiein­ander, so auch im zentral gelegenen Frederiksstaden. Das in den 1740er Jahren gegrün­dete Nobelviertel, ein Ort voller präch­tiger Barock- und Rokokobauten, schicker Kunstgalerien, Möbelfachgeschäfte und Restaurants, schaffte es dank seiner beein­dru­ckenden Architektur sogar in den dänischen Kulturkanon.

Das Herzstück des Viertels stellt ein achteckiger Platz aus Kopfsteinpflaster dar. Umrahmt wird er von vier ehema­ligen Adelshäusern. Allesamt bilden sie heute das Ensemble des Schlosses Amalienborg, der Stadtresidenz von Königin Margrethe II. Eine histo­ri­sche Sichtachse verbindet den reprä­sen­ta­tiven Platz mit der Marmorkirche: Das evange­lisch-luthe­ri­sche Gotteshaus ist innen wie außen eine Augenweide. Seine nach römischem Vorbild errich­tete Kuppel ist in skandi­na­vi­schen Gefilden an Monumentalität kaum zu übertreffen.

Eine historische Sichtachse verbindet den Amalienborger Schlossplatz mit der Marienkirche
Eine histo­ri­sche Sichtachse verbindet den Amalienborger Schlossplatz mit der Marienkirche
Die imposante Marienkirche in der Abenddämmerung
Die imposante Marienkirche in der Abenddämmerung

Nur einen Steinwurf entfernt liegt Kopenhagens Touristenattraktion Nummer Eins: Nyhavn. Zwischen den promi­nenten Bilderbuchfassaden und dem schmalen Stichkanal mit seinen schau­kelnden Holzkuttern geht es stimmungs­voll zu. Die Restaurantterrassen des Nordufers sind gut frequen­tiert, von Einheimischen und Reisenden gleicher­maßen. Hier speist man im Zentrum des Geschehens, man sieht und wird gesehen, man fühlt sich wohl und gehört irgendwie einfach dazu. Gleich gegen­über, am südli­chen Ufer des Stichkanals, brechen regel­mäßig Ausflugsboote zu einer Hafenrundfahrt auf. Begehrtes Ziel: die Bronzestatue der Kleinen Meerjungfrau, der Märchenfigur von Hans Christian Andersen.

Nyhavn ist Kopenhagens beliebteste Sehenswürdigkeit
Nyhavn ist Kopenhagens belieb­teste Sehenswürdigkeit

Einst kam der damals 14-jährige Andersen mit wenig Geld und großen Ambitionen aus seiner Heimatstadt Odense nach Kopenhagen, um sich als Theaterschauspieler einen Namen zu machen. Leider ohne Erfolg. Doch es dauerte nicht lange, bis er sein schrift­stel­le­ri­sches Talent unter Beweis stellen konnte. Dänemarks berühm­tester Autor wohnte selbst mehrmals in den farben­frohen Häusern von Nyhavn. Dort verfasste er etliche seiner sozial­kri­ti­schen Kunstmärchen, mit denen er sich für immer in die Herzen seiner Leser schrieb.

Etwas abseits vom quirligen Rathausplatz, am H.C. Andersens Boulevard, ragt eine überle­bens­große Statue des dänischen Nationaldichters empor: Sie stellt ihn sitzend dar, mit elegantem Zylinder, Handstock und Buch, inter­es­siert blickt er zu seinem liebge­won­nenen Tivoli-Park hinüber – einem der ältesten Vergnügungsparks der Welt. Eine weitere Statue findet sich in der beliebten Grünanlage Kongens Have. Auch dort ist er mit einem Buch in der Hand zu sehen, und es scheint so, als würde er vor einem Publikum sprechen.

Hans Christian Andersen schaut interessiert zum Tivoli-Park hinüber
Hans Christian Andersen schaut inter­es­siert zum Tivoli-Park hinüber

Seinerzeit hielt sich Hans Christian Andersen gerne in Kongens Have – dem „Königsgarten“ des Schlosses Rosenborg – auf und ließ sich von dessen Schönheit inspi­rieren. Die pracht­vollen Rosenbeete und Skulpturen, der klassi­zis­ti­sche Herkulespavillon mit dem charmanten Café und nicht zuletzt das rotbraun schim­mernde Renaissanceschloss verströmen einen ganz beson­deren Zauber, an dem sich die Kopenhagener seit Generationen erfreuen. In der aparten Grünanlage inmitten der Stadt trifft man sich zum Entspannen, Plaudern oder Picknicken, während die kleineren Besucher sich nach Herzenslaune auf dem Spielplatz austoben oder im Marionettentheater unter freiem Himmel bespaßen lassen können.

In der Parkanlage Kongens Have trifft man sich zum Entspannen, Plaudern oder Picknicken
In der Parkanlage Kongens Have trifft man sich zum Entspannen, Plaudern oder Picknicken
Schloss Rosenborg ist eines der wohl schönsten Renaissance-Schlösser Skandinaviens
Schloss Rosenborg ist eines der wohl schönsten Renaissance-Schlösser Skandinaviens

Eine völlig andere Perspektive auf die dänische Kapitale eröffnet die 44 Meter hohe Aussichtsplattform im Turm des Schlosses Christiansborg, dem Sitz des Parlaments und des Obersten Gerichtshofs – und zwar kostenlos und für jeder­mann frei zugäng­lich. Von dort oben hat man einen sagen­haften Rundumblick auf die Skyline mit ihren nahezu ikoni­schen Türmen. Allen voran sticht der verspielte, spiral­för­mige Turm der imposanten Erlöserkirche hervor. Im Osten zeichnet sich die Silhouette der Öresundbrücke ab, über die man mit dem Auto in einer knappen Dreiviertelstunde die schwe­di­sche Hafenstadt Malmö errei­chen kann. Keinesfalls sollte man es versäumen, dem Garten der Königlichen Bibliothek hinter dem Parlamentsgebäude einen Besuch abzustatten. Die fast schon versteckte Mini-Oase im Herzen der Stadt ist nämlich präde­sti­niert für alle, die einen Ort der Ruhe und Besinnung zu schätzen wissen.

Der Garten der Königlichen Bibliothek ist unbedingt einen Besuch wert
Der Garten der Königlichen Bibliothek ist unbedingt einen Besuch wert

Von hier aus empfiehlt sich ein Abstecher ins benach­barte Christianshavn. Wenn man es den Anwohnern des maleri­schen Viertels gleichtun möchte, dann schlen­dert man einfach entlang des gleich­na­migen Kanals, der mindes­tens genauso schön ist wie Nyhavn, nur ohne den ganzen Trubel. Oder man trifft sich an einem lauen Sommerabend zu einem Plausch mit seinen Lieblingsmenschen, sei es im Straßencafé „Oven Vande“ in Sichtweite zur Erlöserkirche, auf den Holzbänken am Kanalufer oder direkt auf der Kaimauer mit Blick auf die vorbei­zie­henden Boote – am besten bei einem Glas Weißwein und einem leckeren Imbiss.

Zum Schluss noch ein Tipp, der schon lange kein geheimer ist. Im Jahr 2021 kürte das Trendsetter-Magazin „Time Out“ das multi­kul­tu­relle Viertel Nørrebro zum coolsten der Welt. Zu verdanken hat es diesen Ruf in erster Linie einem halben Dutzend Straßen und Fußgängerzonen, die mit inter­es­santen Geschäften, Nischenläden und Flohmärkten Besucher aus allen Ecken der Stadt locken. Ganz egal, ob man nach angesagter Mode, Secondhand- und Vintage-Kleidung, dänischem Design, origi­nellem Kunsthandwerk, antiken Raritäten oder ausge­fal­lenen Mitbringseln Ausschau hält, in Straßen wie der Jægersborggade, Blågårdsgade, Ravnsborggade oder Elmegade wird man garan­tiert fündig. Nørrebro ist zudem eine gute Adresse für Kaffeeliebhaber und Foodies, die in Kopenhagens weltbe­rühmte Café‑, Bistro- und Restaurantkultur eintau­chen und etwas von der behag­li­chen Lebensart der Dänen schnup­pern möchten. Mehr Hygge geht nicht!


Kommentare

  1. Avatar von Merdan Franz
    Merdan Franz

    Sehr detail­lierter und bildhaft beschrie­bener Reisebericht.

    1. Avatar von Hilal Türe
      Hilal Türe

      Danke für diesen sehr umfas­senden Bericht! Ich hätte nie gedacht, dass Kopenhagen und Umgebung so viel zu bieten hat. Da sollte man sich schon eine Woche Zeit nehmen, um all die tollen Tipps auch in die Tat umsetzen zu können. Der Garten der Bibliothek wäre mein erstes Ziel, sowie auch das multi­kul­tu­relle Viertel.

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