Freiwilligenarbeit

Über den Sinn und den Unsinn der Freiwilligenarbeit

Es gibt sinnvolle Freiwilligenarbeit und es gibt sinnlose Freiwilligenarbeit. Das Übermalen von Schulwänden gegen Geld halte ich zumindest für fragwürdig.

Neben der Gondelei durch die Landschaft, Tierbestaunungen und den “Fun-Sportarten” geben sich Steve und Iain immer wieder Mühe, dass wir soziale und problembewusste Menschen werden oder bleiben, je nach Stand der Dinge. Bujagali Falls ist nicht nur der nationale Raftingsitz, sondern auch Heimat von Softpowereducation, also ab zur Besichtigung. Bildung ist Hauptziel der Organisation (eine Klinik ist allerdings auch angeschlossen), zum einen renovieren sie staatliche Grundschulen, zum anderen betreiben sie ein Bildungszentrum. In dieses Zentrum kommen pro Tag 60 Vorschulkinder, denen Grundkenntnisse in HIV/AIDS-Prävention, Menschenrechten, IT und Lesen beigebracht werden. Die Ausstattung hat einen unglaublich hohen Standard, ich gehe mal als Laie davon aus, dass so etwas in Uganda sehr, sehr selten ist. So weit, so fantastisch.

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Nächster Programmpunkt war dann das Streichen von Klassenräumen einer staatlichen Grundschule für 1000 Schüler. Alles, was man dafür tun muss, ist der Kauf eines T-Shirts. Ich war nun nie eine Freundin des Prinzips “Bezahlen für Arbeit”, jetzt noch weniger als vorher. Zumindest scheint sich die Organisation über die fehlende Nachhaltigkeit ihres Anstreichertums bewusst zu sein, sie haben nicht und werden auch keine Eltern oder sonstige locals zur Instanthaltung der Schule anhalten, weder als Freiwillige noch als Angestellte.

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Man macht in Bujagali den Witz, dass die Wände der Schulen immer dicker werden, weil jede Gruppe Freiwilliger mindestens eine Schicht Farbe draufpackt. Eigentlich nicht so lustig, wenn man erst das Gewissen der Mzungus streicheln muss, bevor man an das eigentliche Ziel kommt…

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  1. Hallo ihr Weltenbummler,

    es ist einfach erfrischend, diesen Reisebericht zu lesen. Mein Fernweh hält sich sehr in Grenzen, doch ich ertappe mich, meine Prioritäten im Leben etwas zu überdenken!
    Habt noch viel Spass! Liebe Grüße aus der Altmark

  2. Grüße aus dem verregnetem Ostfriesland…
    ist die Trauerbotschaft(VFL) schon angekommen???
    Lasst es EUCH gutgehen und berichte weiter
    ES ist SPANNEND für Menschen , die da wo du bist nie hinkommen werden……

  3. Muttertier

    Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank für die herzlichen Grüße und die wunderbaren

    Bilder. Wer bekommt schon „Post“ zum Muttertag aus

    Sansibar – außer Marion und mir? Die Berichte sind einfach

    nur köstlich, machen Appetit auf mehr und schüren das

    Fernweh… Fühlt euch umarmt!

  4. Dass Bujagalier darueber spotten, ist dumm von ihnen, und wenn ich da Projektleiter waere, wuerde ich die Betreffenden vom Projekt ausschliessen und mich im Namen aller anderen bei den helfenden Gaestern entschuldigen.
    Von der Sache her kommt es natuerlich darauf an, welche Wand womit gestrichen wurde, denn bei kalkgestrichenen Lehnhaeusern ist es geradezu der clou der Bauweise und Vorausetzung fuer ihren charakteristischen Charme und ihre Haltbarkeit, dass die Haeuser alle paar Monate neu gekalkt, damit desinfiziert und tatsaechlich immer dicker werden, wenn auch nur jeweils einen Zehntel Milimeter o.ae.
    Auch das Prinzip ‚Bezahlen fuer Freiwilligenarbeit‘ ist nicht ganz so absurd wie es manchmal klingt, denn Leute die fuer geringe Bezahlung mehr oder weniger laienhaft Waende anstreichen gibt es genug, und auch Menschen, die auf einem unterhalb von beruflichem oder wissenschaftlichem Fachniveau Wissen vermitteln koennen, fehlen global gesehen nicht wirklich, zumal es ja auch Internet gibt. Das Ganze ist eher als Aktivurlaubsangebot zu sehen, das eben nicht Ferienclubpreise kostet, dafuer weniger bequem ist und einen Einblick in die Lebensrealitaet anderer Laender gibt.

  5. Danke für den schönen Text!
    Ich bin diesem Thema schon einige Male selbst begegnet (Dank einem Jahr Tätigkeit als Freiwillige :D ) und sehe das genauso kritisch wie du. Weiße – oder vielmehr im Allgemeinen Europäer und US-Amerikaner – die einer eingestaubten Schule zu neuer Farbe verhelfen, um ihr Gewissen zu beruhigen sind keine Seltenheit. Leider ist das meistens aber der einzige Zweck: das Gewissen zu beruhigen. Also von Nachhaltigkeit keine Spur.
    Deshalb finde ich die Aufgabe nachhaltige Freiwilligenprogramme aufzubauen, so schwer diese auch sein mag, ziemlich wichtig. Ich zumindest habe in meinem Jahr in Kampala unheimlich viel über Kultur gelernt (z.B. wie das mit dem Kulturschock überhaupt zu verstehen ist), tolle Menschen getroffen, mir mehr Gedanken über globale Zusammenhänge gemacht…
    Letztendlich lohnt sich daher vielleicht auch ein kleiner, irgendwie sinnfreier Freiwilligendienst, wie es das Streichen ist. Man kommt ja doch irgendwie mit dem Land und den Leuten in Berührung, und das ist wenigstens ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Wenn das Geld auch vielleicht besser in nachhaltigen Projekten investiert wäre… :)

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