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Tel Aviv, der Sabbat und die Hunde

Ankunft Frei­tag kurz vor Mit­ter­nacht. Es ist bereits Sab­bat. Der beginnt näm­lich Frei­tags mit Son­nen­un­ter­gang und endet Sonn­abends wie­der mit Sonnenuntergang.
Wenn Sab­bat ist in Israel, dann hat vie­les geschlos­sen und alles steht still. Und das meint auch die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel; Flug­zeuge von El Al – Busse – Metro – Sheruts (Sam­mel­ta­xis). Uns bleibt also nur ein pri­va­tes Taxi um nach Tel Aviv rein zu fah­ren, was nicht güns­tig ist.

Israel hat ein ähn­li­ches Preis­ni­veau wie Deutsch­land. 28 km Fahrt kos­ten mit Sab­bat­zu­schlag 150 Sche­kel (ca. 30 Euro). Am Taxi­stand am Flug­ha­fen hängt eine ver­pflich­tende Preis­ta­belle. Schon ange­nehm, wenn man weiß dem mensch­lich gie­ren­den Pro­fit­jä­ger zumin­dest für diese Fahrt ent­kom­men zu sein.

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Einfach nur rein

Am Sab­bat anzu­kom­men hat aber auch Vor­teile. Und zwar weni­ger Flug­gäste, deut­lich kür­zere War­te­schlan­gen bei der Ein­reise, folg­lich kür­zere War­te­zeit. In der Theo­rie zumindest.

Vor uns drei Leute, zwei aus Afrika, eine aus Asien. An den ande­ren Schal­tern min­des­tens 20, alle aus Zypern, und alle bekom­men sie im fünf Minu­ten Takt den Ein­rei­se­stem­pel. Wir war­ten ins­ge­samt eine Stunde. Und die Asia­tin vor uns bekam nicht­mal den Stem­pel, son­dern wurde von einem Sicher­heits­be­am­ten sonst wohin beglei­tet. Das schüch­terte mich ein und ich lies mei­nen Plan den Ein­rei­se­stem­pel auf ein extra Blatt Papier zu for­dern fallen.
Das Aus­wär­tige Amt schreibt über diese Mög­lich­keit, da ja ein israe­li­scher Stem­pel im Pass durch­aus zu Schwie­rig­kei­ten bei der Ein­reise in einige isla­mi­sche Län­der füh­ren kann. Ich hab bei mei­ner ein­stün­di­gen Beob­ach­tungs­phase aber nie­man­den gese­hen, der einen Stem­pel auf ein extra Blatt Papier bekam und ich traute mich nach der Abfüh­rung der Asia­tin nicht mehr pio­nier­haft danach zu fragen.

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Ein paar Hin­weise, die die Befra­gung deut­lich erleich­tern, so ganz unter uns:
Gebt nicht unge­fragt zu viele Infos. Ihr seit wegen Urlaub da, und nennt bei Nach­frage zügig Namen und Adresse der Hotels o.ä. in den ent­spre­chen­den Orten. Eure Unter­kunft hat kei­nen Namen? Tauft sie!
Von ver­meint­li­chen Plä­nen ins West­jor­dan­land zu fah­ren würde ich eben­falls nichts erwäh­nen und in ande­ren Län­dern mag das her­zig wir­ken, wenn ihr von eurem Inter­esse erzählt an bestimm­ten reli­giö­sen Fes­ten teil zu neh­men, in die­sem Falle würde ich auch davon abra­ten. Holi­days sind das pas­sende Zau­ber­wort. Nicht weil ihr sonst nicht rein­kommt, son­dern um das Ver­hör kür­zer zu gestal­ten. Die israe­li­schen Sicher­heits­vor­keh­run­gen sind extrem hoch, was vor allem bei der Aus­reise noch spür­ba­rer wird. Dazu ein andern Mal mehr.

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Dogs Beach

Ansons­ten merkt man Tel Aviv den Sab­bat und die pre­kä­rere Situa­tion im Nahem Osten nicht wirk­lich an. Die Stadt ist klein genug um zu Fuß zu lau­fen. Man kann es auch wie wir über­trei­ben, indem von Tel Aviv Port bis Old Jaffa mit diver­sen Schlen­kern und zurück an einem Tag gute 20km abreißt, aber Busse braucht man eigent­lich nicht. Es gibt über­all öffent­li­che Leihräder.
Klar sind die Geschäfte geschlos­sen. Viele Cafés, Restau­rants, Bars und Clubs öff­nen aber trotz Sab­bat. Die Stra­ßen sind leer, die Strände um so vol­ler und Sab­bat ist der prä­de­sti­nierte zeig-dei­nen-Hund-her-Tag. Jeder hat dort min­des­tens einen Hund.
Es gibt sogar einen Hun­de­strand: Dogs Beach.

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Voice of Peace

An einer Stelle in der kilo­me­ter­lan­gen Pro­me­nade ist eine recht unschein­bare Tafel mit einem Knopf in die Stein­mauer ein­ge­las­sen. Wir haben sie nachts ent­deckt als der Strand und das Meer bereits tief­schwarz waren. Es ist die Gedenk­ta­fel für Abie Nathan und sei­nes Radio­sen­ders „The Voice of Peace“. Es ist der Punkt, wo uns ein­dring­lich klar wird, wir sind im Nahen Osten, mag Tel Aviv noch so unbe­schwert und par­ty­mä­ßig daher kommen.

Listen to the Voice of Peace:

Klick hier.

Cate­go­riesIsrael
Marianna Hillmer

Marianna war eigentlich Doktorandin in Literaturwissenschaft. Die schöne Literatur inspirierte sie viel zu oft die Bibliotheksgemäuer zu verlassen und mal zu schauen, wie das in der realen Welt denn ausschaut. Mittlerweile schreibt sie selber schöne Geschichten und hat die Promotion zugunsten des Reisens an den Nagel gehängt.

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