Über das Wundern

Anni in da House of Wonders

Im House of Wonders auf Sansibar lernt man eine Menge, aber nur und ausschließlich dann, wenn man einen Führer dabei hat, der einem alles erklärt, ansonsten sind die Beschriftungen derart rätselhaft, dass man tatsächlich aus dem Wundern gar nicht rauskommt.

Dar Es Salaam ist eine Stadt, die man nicht kennenlernen möchte (heiß, feucht, streng riechend), muss man aber, wenn man nach Sansibar will. Bei der Ankunft in Stonetown muss man überflüssigerweise ein Einreiseformular sowie eine Gesundheitsinformation ausfüllen (“Hatten Sie in den letzten sieben Tagen Schnupfen?”), anscheinend beschäftigt die Hafenpolizei bevorzugt Separatisten. Nun ja, so schnell es uns möglich war, spalteten wir uns von der Gruppe und machten uns auf Fietchens Empfehlung hin auf zum House of Wonders. Das House of Wonders ist zusätzlich auch das Nationalmuseum, und wer noch nicht weiß, woher es seinen Namen hat – einfach Wikipedia fragen. Im House of Wonders lernt man eine Menge, aber nur und ausschließlich dann, wenn man einen Führer dabei hat, der einem alles erklärt, ansonsten sind die Beschriftungen derart rätselhaft, dass man tatsächlich aus dem Wundern gar nicht rauskommt. Masu folgte also dem Führer, ich wunderte mich.

1. Wunder: Warum stellt man ein Ei und eine Kokosnuss aus, beschriftet als “Ei” und “Kokosnuss”? – Gehst du in Sansibar zum Medizinmann, wird er dich wählen lassen zwischen einem Ei und einer Kokosnuss. Danach wird er einen Koranvers auf das Ei respektive die Kokosnuss schreiben und schwupp – bist du geheilt!

2. Wunder: Warum benennt man einen Vorort von Stonetown Bububu? – Die erste Eisenbahn von Zentral- und Ostafrika wurde auf Sansibar gebaut. Da die Bahn in Aktion das Geräusch bu-bu-bu machte, hat man einfach die Endhaltestelle so genannt. Hat was von Lummerland, finde ich.

3. Wunder: Swahili, versteht kein Mensch. Das wundersame Sprichwort “Leave not your old mat embracing a new one that is not yours” heißt übersetzt “Usiache mbachao”. Wie kann denn sowas passieren? – Swahili ist gar keine Sprache, sondern das Konglomerat der schönsten Wörter aus dem Portugiesischen, Arabischen und Indischen. Teekanne heisst auf Portugiesisch Buli und auf Swahili Buli. Tee heisst auf Indisch Chai und auf Swahili Chai. Topf heisst auf Portugiesisch Copo und auf Swahili (Achtung, Falle!) Kopo. Das lässt sich sehr lange so weiterführen, führt aber zu nix.

Wichtiger Reisetipp für Stonetown: Keine spice tour machen, stattdessen mehr Zeit für das House of Wonders einplanen! Und, wenn es sich vermeiden lässt, nicht in der Safari Lodge einchecken.

  1. Sorry, der Kommentar hier wird ein bisschen bissig, aber ich bin in meinem pc-Empfinden gerade empfindlich gestört worden: Swahili ist gar keine Sprache??!??? Bitte, wenn das ein lustiger Woitz sein sollte, ist er leider nicht komisch.
    Swahili, wie überall zu lesen, gehört zu den Bantusprachen und wird seit ewig-vorkolonialer Zeit gesprochen. Nur, weil da ein paar nette Kolonialisten ein paar Lehnwörter als Erinnerung dagelassen haben, sich die Araber eingemischt haben oder ein Deutscher das Swahili verschriftlichte, heißt das nicht, dass Swahili keine eigene Sprache ist! Übrigens eine recht logisch aufgebaute und gut zu erlernende Sprache, wie ich finde, obwohl ich ein totaler Sprachdepp bin.
    Was hier leider klingt wie das ewige „die Afrikaner haben ja gar nix selber hingekriegt, nichtmal ihre Sprache“ ist schlichtweg – falsch!
    Im Übrigen hätte mich schon interessiert, warum das Museum heute „House of wonders“ genannt wird, und über Wikipedia habe ich das leider nicht aufklären können. Zu meiner Zeit (1999) war es nämlich schlicht „Das Museum“.

    Beste und etwas grimmige aber bitte nicht falsch zu verstehende Grüße
    /inka

    • Herzlichen Glückwunsch!
      1+ mit Sternchen und 100 Besserwisserpunkte und ein Hakuna Matata für Unlustigkeit.

    • es heißt so, weil es dort elektrizität gab, sogar einen der ersten elektrischen aufzüge, die säulen neben dem eingang in einer neuartigen technik gemacht sind. es gibt noch andere besonderheiten, die höchst modern waren!

    • Annika Engelbert

      Hallo Inka,

      Ja, ich wundere mich oft und gerne, z.B. auch wieder jetzt gerade. Das führt dann dazu, dass ich mich tatsächlich bemühe, meine eigene Ignoranz zumindest zu reduzieren. Kleiner Beweisblick in meinen Bücherschrank: https://dl.dropboxusercontent.com/u/5892804/IMG_1558.jpg

      Und da die Schwarmintelligenz irgendwie tatsächlich eine wichtige Referenz zu sein scheint, ergänze ich Nicos Erklärung durch die entsprechende Wikipedia-Passage:
      „The palace was built in 1883 for Barghash bin Said, second Sultan of Zanzibar.[2][3] It was intended as a ceremonial palace and official reception hall, celebrating modernity, and it was named „House of Wonders“ because it was the first building in Zanzibar to have electricity, and also the first building of East Africa to have an elevator.[4]“

      Keep on wondering,
      Annika

  2. „Swahili, versteht kein Mensch“ … na gut, ausser natürlich den 80 Millionen Menschen die das in Tansania, Kenia, Demokratische Republik Kongo, Uganda, Burundi, Ruanda, Malawi, Mosambik, Sambia, Komoren, Mayotte, Somalia sprechen.

    Ausgerechnet ein deutschsprachiger Mensch macht sich über die Verwendung von Lehnwörtern lustig? Du hast deinen Bericht sicher auf einer „Rechenmaschine“ getippt, oder? Vielleicht ja auch auf einem „Notizbuch“? Ich könnte das sehr lange so weiterführen, führt aber zu nix.

    Und wie man sich als Deusche darüber wundern kann dass man irgendwo in der Welt ein Formular ausfüllen muss … das wundert wiederum *mich*.

    • Hauke! Wie schön! Der Deutsche an sich wundert sich ja eher selten, finde ich. Zu selten! Ich freue mich, dass es ausgerechnet diesem Artikel gelungen ist, dich – offensichtlich aus vollem Herzen – wundern zu lassen.

      Da der Artikel nicht ausreichend mit Wikipedia-Schnipseln versehen ist, die ja teilweise bereits hier in Kommentaren fachkundig eingebaut wurden, möchte ich allen wissbegierigen Lesern hier Erleichterung schenken:

      Swahili [swɑːˈhiːlɪ] [6] (auch Suaheli, Kisuaheli oder Kiswahili (Letzteres ist die Eigenbezeichnung); vom arabischen sāhil für „Küste“ oder „Grenze“) ist eine Bantusprache und die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas. Swahili ist die Muttersprache der Swahili, die im etwa 1500 Kilometer langen Küstenstreifen von Süd-Somalia bis in den Norden von Mosambik leben, sowie von einer ständig wachsenden Zahl von Einwohnern Ostafrikas, die mit dieser Sprache aufwachsen. Mehr als 80 Millionen Menschen beherrschen Swahili,[1] was die Sprache zu der am meisten gesprochenen Bantusprache der Welt macht. Von den mehr als 80 Millionen Swahili-Sprechern sind nur 5–10 Millionen Muttersprachler.

      Verbreitung
      Swahili ist Amtssprache in Tansania, wo es durch den Nationalen Swahilirat gepflegt wird, sowie zweite Amtssprache und weit verbreitete Verkehrssprache in Kenia. In Uganda ist es seit 2005 Amtssprache. Bereits 1967 hat sich die Ostafrikanische Gemeinschaft die Förderung des Swahili anstatt des von der britischen Kolonialmacht hinterlassenen Englischen zu einem Ziel gesetzt. In der Demokratischen Republik Kongo ist Swahili eine von vier Nationalsprachen, gesprochen wird es vor allem im Osten des Landes. Swahili wird auch in Ruanda, Burundi, Süd-Somalia, Mosambik, Malawi und auf den Komoren (einschließlich Mayotte) gesprochen.
      Bei dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Juli 2004 wurde Swahili als Arbeitssprache genutzt. Als Verkehrssprache (Handelssprache, Lingua franca) wird Swahili von etwa 80 Millionen Menschen gesprochen.

      Herkunft des Wortes Swahili
      Das Wort Swahili stammt von dem Plural swāhil des arabischen Wortes sāhil, das „Küste“ oder „Grenze“ bedeutet (vgl. Sahel). Das daraus abgeleitete Adjektiv as-sawāhilī (‏السواحلي‎) bedeutet etwa „Küstenbewohner“. Unklar ist, ob die Endung „-i“ auf die arabische Nisba-Endung zurückgeht oder aus phonologischen Gründen angehängt wurde. Die Sprache wird im Swahili selbst (und gelegentlich auch im Deutschen) „Kiswahili“ genannt. Das Präfix ki- gibt dabei (ähnlich wie im Deutschen der Artikel) die Klassenangehörigkeit des Nomens an.

      Ursprung und Sprachgeschichte
      Swahili ist aus der Begegnung afrikanischer Küstenbewohner mit seefahrenden Händlern meist arabischen Ursprungs entstanden. Die Sprache wird genetisch zur Sabaki-Gruppe der Bantusprachen Ostafrikas gerechnet. Die größten Ähnlichkeiten bestehen zu einer Reihe von Sprachen des kenianischen Küstenraumes sowie der Komoren. In der geographischen Einteilung der Bantusprachen nach Malcolm Guthrie gehört Swahili zur Zone G40.[7]
      Auch wenn Swahili grammatikalisch eindeutig zu den Bantusprachen gehört, umfasst sein Wortschatz eine große Zahl von arabischen Vokabeln. Dies veranlasste frühe europäische Besucher dazu, das Swahili als eine Variante des Arabischen anzusehen. In klassischen Gedichten kann dieser Anteil bei bis zu 50 % liegen; im modernen Umgangsswahili wird der Anteil arabischer Wörter auf 20 % geschätzt. Generell werden im islamisch geprägten Küstenraum, der traditionellen Heimat der Sprache, mehr Wörter arabischen Ursprungs benutzt als im Binnenland.
      Im 20. Jahrhundert ist eine große Zahl von Begriffen aus dem Englischen aufgenommen worden. Als weitere Sprachen sind das Persische, indische Sprachen, Portugiesisch und im Kongo-Swahili auch das Französische mit Lehnwörtern im Swahili vertreten. Aus der deutschen Kolonialzeit sind nur wenige Ausdrücke dauerhaft ins Swahili eingedrungen, von denen „shule“ (Schule) der bekannteste ist. Insgesamt wird geschätzt, dass der Anteil fremdsprachlicher Wörter im Swahili etwa dem Anteil französischer, lateinischer und griechischer Lehnwörter im Englischen entspricht.
      Swahili ist eine der wenigen afrikanischen Sprachen, die schon vor der Kolonialzeit eine Schrifttradition hatten. Die ältesten erhaltenen Manuskripte stammen aus der Zeit um 1700 und benutzen die arabische Schrift (als „Adschami-Schrift“). Im 19. Jahrhundert wurde die Sprache erstmals mit lateinischer Schrift notiert; der schwäbische Missionar Ludwig Krapf verfasste das erste Wörterbuch und eine Grammatik. Unter dem Einfluss der Missionsschulen sowie der europäischen Kolonialmächte wurde das Lateinische Alphabet zum Standard. Im Küstenbereich gibt es heute nur noch wenige Swahilisprecher, die als Muslime und Koranleser mit der arabischen Schrift vertraut sind und auch Swahili noch mit arabischen Buchstaben notieren.

      […]

      1 a b L. Marten: Swahili. In: Encyclopedia of Language and Linguistics, 2nd ed., 2005, Elsevier
      2 Swahili wurde vom ersten Präsidenten Julius Nyerere als „nationale Sprache“ deklariert, ohne dass dies je gesetzlich fixiert wurde; Publikationen der Regierung nennen es auch „offizielle Sprache“, z. B. “Kiswahili and English are the Official languages, however the former is the national language” (Offizielle Website der tansanischen Regierung tanzania.go.tz)
      3 Kenia hat derzeit keine umfassende gesetzliche Bestimmung hinsichtlich Sprachen; nach der geltenden Verfassung von 1992 gilt Swahili mit Englisch als eine der offiziellen Sprachen des Parlamentes, jeder Kandidat muss Kenntnisse der Sprache nachweisen; aber alle Beschlüsse des Parlamentes sind auf Englisch zu fassen (N. O. Ogechi: On language rights in Kenya, S. 287); auf der unteren Ebene der Gerichte ist Swahili als Verhandlungssprache zugelassen, Niederschriften und Urteile sind hingegen auf Englisch auszufertigen (Ogechi, S. 290 f); die öffentlichen Verwaltungen dürfen im Verkehr mit dem Bürger Englisch und Swahili verwenden (Ogechi, S. 290); im Entwurf der neuen Verfassung sind Englisch und Swahili als die beiden offiziellen Sprachen des Staates vorgesehen, Swahili außerdem als nationale Sprache (Ogechi, S. 288).
      4 Uganda Constitution (Amendment) Act 2005 (Act No. 11 of 2005): “3. Replacement of article 6 of the Constitution. For article 6 of the Constitution, there is substituted the following: 6. Official language. (1) The official language of Uganda is English. (2) Swahili shall be the second official language in Uganda to be used in such circumstances as Parliament may by law prescribe.” Faktisch ist Swahili die Kommandosprache von Polizei und Militär und wird darüber hinaus in der zivilen Verwaltung kaum genutzt.
      5 Artikel 1 der Verfassung bestimmt neben Französisch als „offizieller Sprache“: «… langues nationales sont le kikongo, le lingala, le swahili et le tshiluba»; laut Art. 142 sind alle Gesetze binnen 60 Tagen in diese Sprachen zu veröffentlichen; im Osten des Landes ist Swahili die vorherrschende Sprache der Kommunikation, wird auch in Schulen und auf Ämtern benutzt.
      6 Dictionary.com Ki-swahili
      7 Vgl. zu diesem Absatz UCLA Language Materials Project: Swahili auf der Seite des Sprachinstitutes der Universität von Kalifornien (Los Angeles)

      Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Swahili_(Sprache)

    • Annika Engelbert

      Hallo Hauke,

      Zwei kleinere Missverständnisse:

      Meine Verwirrung entstand nicht durch die Erkenntnis, dass jede Sprache weiteren Spracheinflüssen ausgesetzt ist, sondern durch die Tatsache, dass Swahili zum einen sehr einfach, zum anderen unglaublich schwer zu verstehen ist (Beispiele s.o.). Selbstverständlich und natürlich sprechen und verstehen eine Menge Leute Swahili, sonst würde das ja auch alles gar keinen Sinn mehr machen!

      Da ich lange dem Papierkrieg im Königreich der Bürokratie gefrönt habe (und das ist nicht Deutschland…), können mir Formulare keine Verwunderung mehr entlocken. Einreiseformulare an nationalen Fährhäfen nicht-souveräner Inseln dagegen schon. Wurde anscheinend (keine gesicherte Quelle verfügbar, lediglich eigene Erfahrung) auch wieder abgeschafft, da könnte man sich jetzt schon wieder wundern.

      Dir einen „wunder“schönen Frühlingstag,
      Annika

  3. Wow, was für unglaublich konstruktive Kommentare!

    Annika, vielen Dank für die Aufklärung Dank Schwarmintelligenz – ehrlich gesagt, hatte ich schlicht keine Lust zu suchen.

    Und – äh – danke Johannes, für Deine ausführlichen Wikipedia-Copy-&-Paste-ungen. Was die da allerdings zu suchen haben oder verargumentieren sollen, ist mir jetzt schleierhaft.

    Beste Grüße,
    Inka

  4. Buli auf portugiesisch? gibt es nicht

  5. und copo heisst glas, topf ist pote or tacho….

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