Viehmarkt Nizwa

Nizwa, Oman

Orientalische Kulissen

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Der Viehmarkt und der Souq von Nizwa, das Schloss von Jabrin: Der Oman zeigt Kulissen eines alten Orients. Was nur noch Folklore für Touristen ist, lässt sich oft schwer bestimmen.

Der westliche Urlauber ist ein schizophrenes Wesen. Einerseits lobt er die hektische „Ursprünglichkeit“ alter arabischer Handelsstädte, nur um sich im nächsten Moment über die dreisten Abzockermethoden der ortsansässigen Souvenirverkäufer zu beschweren. Andererseits ist er seit frühster Kindheit mit Konsumangeboten aufgewachsen, dessen Werbeslogans er noch eher erinnert als die Zeilen seines ersten Lieblingssongs, nur um in zunehmend entwickelten Kulturkreisen die „Verwestlichung“ der Gesellschaft zu kritisieren, deren Exporteur er selbst ist.

Der Oman ist vor diesem Hintergrund ein befriedigendes Reiseziel. Die Golfmonarchie ist zu wohlhabend, um auf die Devisen europäischer Urlauber angewiesen zu sein. Massentourismus ist unerwünscht. Gleichzeitig lehnt es Sultan Qabus ibn Said ab, mit seinem Ölgeld größenwahnsinnige Wolkenkratzer in den Wüstensand zu bauen. Die Hauptstadt Maskat zum Beispiel ist auf nicht unangenehme Art vollkommen unspektakulär. Man kann dort, ganz ohne schlechtes Gewissen, einfach nichts tun.

Der westliche Urlauber ist natürlich viel zu rastlos, um sich jeden Tag unter einen Palmenhain zu setzen, arabischen Kaffee zu trinken und Wasserpfeife zu rauchen. Die in der Regel eng getakteten Rundreisen durch das Land sollen dem gut situierten Studienreisenden die Kulturstätten des alten Arabiens näherbringen. Leider hält der four wheeler oft nur zwei Stunden an einer Sehenswürdigkeit. Es bleibt kaum Gelegenheit für mehr als einen ersten, oberflächlichen Eindruck. Weil die jüngere Geschichte des Landes den Oman so stark verändert hat, ist der Mangel an Zeit besonders folgenschwer.

Sultan Qabus hat nämlich das Kunststück vollbracht, sein Land innerhalb von 30 Jahren von einem mittelalterlichen Bauernstaat zu einer modernen Industrienation umzurüsten. Dem Heilsversprechen einer privatisierten Raubtierwirtschaft hat er dabei keinen allzu großen Glauben geschenkt. Der Fortschritt hat die Tradition mehr ergänzt denn abgelöst.

So wundert sich der Reisende stets, ob er unterwegs tatsächlich mehr als eine Kulisse altorientalischer Lebensweise zu sehen bekommt oder die heiße Wüstensonne ihm bloß ein folkloristisches Klischee vor die Augen projiziert. Alles nur Theater? Die jahrhundertealte Oasenstadt Nizwa zeigt reichlich Bühnenbilder.

Der Viehmarkt

Nizwa, Oman

Jeden Freitag reisen Omanis mit Schafen, Ziegen und Rindern auf den Ladeflächen ihrer klimatisierten Geländewagen zum Marktplatz südlich der Obst- und Gemüsehalle von Nizwa. Dort beginnt, bevor der Tag allzu heiß wird, ein angeregtes Feilschen und Handeln. Die Tiere werden zunächst im Kreis herum geführt und dem Publikum präsentiert. Interessenten rufen Rial-Beträge in die Runde, dann beginnt das Zwiegespräch.

Die Verkaufsstrategien sind für einen Außenstehenden schwer zu durchschauen. Wahrscheinlich kommt der Preis in einem Wechselspiel aus vollmundigem Lob des Händlers und barscher Kritik des interessierten Käufers zustande. Die Männer geben ihren Zuschlag erst, wenn sie den finalen Betrag mit ihren Frauen abgestimmt haben, die in der Regel die Budgethoheit über das Haushaltsgeld haben. Das Geschäft wird dann – ziemlich lässig – mit einem Handschlag besiegelt.

Der Viehmarkt von Nizwa ergibt natürlich ein schönes Bild: Zwei ehrliche Kaufleute kommen unter dem Schatten der Dattelpalmen zu einem fairen Geschäftsabschluss. Bleibt die Frage, wie lange die einfachen Omanis hier noch Lebendvieh handeln werden, wenn das Tiefkühlfleisch aus dem Supermarkt immer günstiger wird. Oman ist der größte Viehzüchter auf der arabischen Halbinsel. Aufzucht und Haltung finden in üppig dimensionierten Farmen statt. Wie war das noch gleich mit den positiven Skaleneffekten?

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Der alte Souq

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Der Besucher des sogenannten traditionellen Marktviertels begutachtet gewohnheitsmäßig zuerst das Warenangebot der Verkaufsstände: Es gibt Obst, Gemüse, Fleisch und Gewürze, aber auch Keramik, Töpfe, Werkzeuge, Krummdolche und Gewehre samt Munition. Klar, das ist irgendwie nett. Trotzdem wundert man sich, warum man als Tourist ausgerechnet hier aussteigen, herumlaufen und Fotos machen soll. Das, was im besten Sinne eine Stadt ausmacht, findet sich an diesem Ort genau nicht.

Vor allem schlendern kaum einkaufende Omanis durch die Gassen des Souqs. Hier nimmt ein Mann in einer weißen dischdascha prüfend eine Doppelbüchse in die Hand und legt an. Dort wechseln etwas Muskat und Weihrauch den Besitzer. Doch die meisten Einwohner Nizwas, hören wir, kaufen im Geschäftsviertel der Inder und Pakistani ein.

Wer von dem „alten Souq von Nizwa“ spricht, liegt mit dieser romantisierenden Beschreibung komplett falsch. Ein großer Teil des Viertels wurde Anfang der neunziger Jahre renoviert, lediglich der traditionelle Baustil der Häuser und Verkaufsstände ist erhalten geblieben. Ein Markt wie ein Museum.

Wo nur noch gutgläubige Touristen vom Geschäft überzeugt werden wollen, mischt sich unter die Waren auch Ramsch, der in Billiglohnfabriken in Südostasien hergestellt wird. Die Preise lassen sich kaum herunterhandeln: ziemlich untypisch. In den Gassen des Souqs beschleicht einen das Gefühl, einer großen Irreführung aufgesessen zu sein, die man mit dem Kauf einer vermeintlichen Antiquität nur belohnen würde.

Als Reisender durchquert man deshalb besser die Verkaufsstände, ohne irgendwo stehen zu bleiben, und besichtigt das Fort von Nizwa mit seinem kreisrunden Befestigungswall. Durch die Kanonenscharten fällt der Blick weit über die Oase bis zu den kargen Bergen.

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Der Palast von Jabrin

Palast von Jabrin

Das Schloss von Jabrin liegt mit dem Auto keine halbe Stunde von Nizwa entfernt, in der Nähe der Stadt Bahla.

Die Geschichte des Palasts ist schnell erzählt: Der idabitische Imam Bil’arub bin Sultan al-Ya’ruba ließ das Schloss 1688 errichten und förderte dort so pazifistische Wissenschaften wie die Astrologie, Medizin und Rechtslehre. Sein bellzistischer Bruder Saif dagegen wollte selbst Imam werden und startete eine Revolte gegen seinen Blutsverwandten. Bil’arub ließ Jabrin mit zwei Meter dicken Mauern und Kanonentürmen befestigen – doch es brachte alles nichts: Er wurde in seiner Residenz ausgehungert und starb.

Aus der Fehde um das Imamat entwickelte sich später ein Bürgerkrieg. Jabrin geriet in Vergessenheit, bis der Sultan die Schlossfestung 1984 renovieren ließ. Heute zieren aufwendig verarbeitete Möbel und bunte Federkissen die Innenräume, so soll ein Eindruck alter omanischer Wohnkultur vermittelt werden.

Insgesamt kann man die Restaurationen als gelungen bezeichnen. Die Veränderungen haben nicht bloß eine hohle Kulisse geschaffen, eine Installation von etwas, das in dieser Form nie existiert hat. Sie betonen im Gegenteil ohne zu viel Kitsch den eigentlichen Charakter des Ortes. Der Reisenden dankt und staunt.

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