Great Zimbabwe

Harare & Masvingo, Simbabwe

Great Zimbabwe

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In Harare möchte man nicht leben. Wohl aber lassen sich dort, wenn man auf Durchreise ist und den ländlichen Gegenden eine Weile den Rücken kehren möchte, zwei Ruhetage verbringen. Nichtsdestotrotz, die Hauptstadt von Simbabwe ist nicht sonderlich ansehnlich. Eben eine klobige, dreckige Millionenstadt in Afrika.

Auf dem mannshohen Zaun, der unsere Pension, die Palm Rock Villa in der Selous Ave, von der übrigen Stadt abschirmte, war eine Rolle Nato-Stacheldraht angebracht, und das musste nun auch irgendwelche Gründe haben. Wir schlenderten nur bei Tageslicht von der Herberge aus in die Innenstadt.

Einer der Taxifahrer zeigte uns eines Abends – wir hielten an einer Tankstelle und kauften Wasser – die Narben auf seinem Kopf. Einmal nämlich, erzählte er, hätten ein Mann und eine Frau versucht, seinen Wagen zu rauben und ihn mit einem gewöhnlichen Schraubenzieher attackiert. Tagsüber schien indes die Sonne, die Straßen der Downtown machten keinen allzu lebensbedrohlichen Eindruck.

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Wer von Masvingo hinauffährt nach Harare, den wird ziemlich wahrscheinlich die hektische Geschäftigkeit der Großstadt stören. Unweit von Masvingo nämlich liegen – für harmoniebedürftige Reisende leicht zu erreichen – die mittelalterlichen Überreste des untergegangenen Munhumutapa-Reiches, die Ruinen von Great Zimbabwe. Und von dem Hügel, auf deren Spitze sie genau liegen, lässt sich kilometerweit über das Land schauen.

Als wir uns an einem vortrefflichen Februartag auf den Weg dorthin machten, waren auf dem Gelände des Parks überhaupt keine anderen Touristen anzutreffen. Das Licht des Spätnachmittags legte sich gelb und mild auf die warmen Gemäuerreste. Es war ein bisschen so, als spazierte man in einer kitschigen Kulisse umher, nur dass die Ruinen und die Landschaft und das Licht von niemandem inszeniert waren, sondern in aller Selbstverständlichkeit zusammenwirkten, als hätte es an diesem Tag gar nicht anders sein können. Wir stiegen abends auf den höchsten Punkt und warteten, bis der rote Feuerball hinter den fernen Bergen untergegangen war.

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Leider verkehren die Minibusse zwischen Great Zimbabwe und Masvingo nach Einbruch der Dunkelheit höchst unregelmäßig. Ein Taxi für eine Strecke von 39 Kilometern ist auch in Simbabwe, wo es keine eigene Landeswährung mehr gibt und stattdessen mit relativ teuren US-Dollar und südafrikanischen Rand gezahlt wird, eine wohlüberlegte Investition. Wir entschieden uns dagegen und für das Fahren per Anhalter. Generell ist Trampen in Südostafrika natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden, das je nach Situation und Tageszeit wiederum zu vernachlässigen ist. Wir hatten aber ohnehin das Glück, von einem offensichtlich sehr wohlhabenden Parlamentarier und seiner Frau in einem geräumigen, schwarzen SUV-Geländewagen mitgenommen zu werden.

Er habe vor, mit einer Schule in Deutschland zu kooperieren, erklärte der Mann, ob wir ihm da nicht einen Kontakt empfehlen könnten. Wir tauschten Adressen aus und bedankten uns für die Fahrt, entstiegen im überaus ruhigen Zentrum von Masvingo und ließen uns zu Kaffee und Bananenmilchshakes in einem hell erleuchteten Lokal nieder.

Übernachten kann man übrigens gut in der Titambire Lodge, die Pension am Stadtrand erinnert mehr an ein Privathaus als eine öffentliche Herberge.

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Bewegt sich der Reisende in Simbabwe nun von Masvingo nach Norden, sollte er geerdet genug sein, um sich auf Harare einlassen zu können, wozu eingangs im Prinzip alles Wichtige gesagt worden ist. Man könnte nun noch erwähnen, dass es bei unserer Ankunft in der Stadt für mindestens einen ganzen Tag kein fließendes Wasser geben sollte, was angesichts der staubigen Überlandpisten für ein gewisses Unwohlsein sorgte. Allerdings stellte der Besitzer der Pension seinen Gästen auf Nachfrage große Plastiktonnen mit gesammeltem Regenwasser zur Verfügung. Der Geruch des fragwürdigen Inhalts konnte die latente Assoziation mit Motoröl während des Duschens allerdings nie vollständig zerstreuen. Am Busbahnhof der Stadt steht darüber hinaus die mit Abstand schlimmste öffentliche Toilette im südlichen Afrika.

Um eine Floskel aus dem Reiseklassiker Ferien für immer zu bedienen: Harare ist womöglich nicht so schlimm, wie es hier dargestellt wurde.

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Ein Kommentar

  1. Zypresse, am

    Ach ja, die Ruinen von Greater Zimbabwe stehen auch auf meiner Wishlist. Aber nach einem ungeplanten Umsteigeaufenthalt von knapp 10 Stunden im Transitbereich des internationalen Flughafens von Harare im Oktober 2007 (ohne Geld, damals noch mit Zwangsumtausch von US $ in die Landeswährung zu einem abenteuerlichen Kurs – wonach uns ein Frühstück mit 1 Tasse Kaffee, 2 Scheiben Toast, Klecks Marmelade und einem Glas wässrigem Gelb (Orangensaft??) annähernd 125 € hätte kosten sollen) ist der Gatte derzeit nicht zu einem neuen Versuch mit Einreise in das Land zu bewegen…

    Aber grad deswegen habe ich den Bericht gern gelesen und die zauberhaften Bilder bewundert. Danke!

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