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Kolmannskuppe, Namibia

Geisterstadt

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August ist Bahnmeister am Grasplatz, einer kleinen Station mitten in der Wüste. Hier passiert nicht viel: Drei Jahre nun führt die neue Bahnlinie bis an die Küste nach Lüderitz, und seit einem Jahr ist er hier der Vorsteher. August und seine Mitarbeiter haben vor allem einen Job: Den Sand von den Gleisen schaufeln. Den verdammten Sand. Er wird vom beharrlichen Wind ständig wieder herangeweht. Ein Scheiß-Job.

„Das hab ich mir auch anders vorgestellt“, denkt er jeden Morgen, wenn er aufwacht und auf seinen Gleisabschnitt blickt. Abenteuerlich klang es, als er daheim in Thüringen das Angebot bekam nach Afrika zu gehen. Das Wüstenklima wäre auch gut für sein Asthma. Und ist ja auch nicht schlecht für den Lebenslauf, sagen alle. Und jetzt sitzt er hier in der Pampa, und der Sand und die Hitze und die Langeweile zermürben seine Synapsen.

Grasplatz_anagoriaGrasplatz, eine Bahnstation rund 50 Kilometer östlich von Lüderitz, Namibia. Foto von Anagoria

 

Zacharias, einer seiner Mitarbeiter, klopft an. „Herr Stauch, schauen Sie mal, was ich an den Gleisen gefunden habe.“ Er reicht August einen kleinen glitzernden Stein.

Es ist ein Diamant.

Wir schreiben den 14. April 1908, in Deutsch-Südwestafrika. Der Beginn eines großen Diamantenrausches.

Wenige Jahre später ist das Diamantensucher-Camp Kolmannskuppe nach Pro-Kopf-Einkommen die reichste Stadt Afrikas: Die mehreren hundert Einwohner verfügen mitten in der Wüste über diverse Annehmlichkeiten, wie eine Limonaden- und Eisfabrik, Grundschule, Polizeistation und Postamt, eine Kegelbahn und ein Casino, Turnhalle, Tanzsaal und Theater. Und ein Krankenaus mit dem ersten Röntgengerät im Süden Afrikas!

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August Stauch ist ein reicher Mann. Längst ist er kein Bahnmeister mehr, sondern Unternehmer. Im Gemischtwarenladen bezahlen die Einwohner mit Karat, nicht mit Mark.

Dann bricht der erste Weltkrieg aus. Die Deutschen kapitulieren. Südafrikanische Unternehmen schürfen weiter, doch die Vorkommen sind bald ausgebeutet. Die letzten Einwohner verlassen den trostlosen Ort, der einmal so lebendig war.

Heißer Wüstenwind fegt den Sand vor sich her. Verfängt sich in den Schuppen, den ausgeweideten wilhelminischen Villen, den Arbeiterhäusern. Er kriecht den langen Flur des Krankenhauses entlang, ins Wartezimmer. Eine Böe drückt ein blindes Fenster auf. Es ist vorbei.

Der Sand hat gewonnen.

 

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Vielen Dank an Gondwana Collection für die Einladung nach Namibia. Kolmannskuppe lässt sich gut von Lüderitz oder von Aus aus besichtigen.

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25 Kommentare

  1. Wolfgang Käseler via Facebook, am

    August ist Vorseher? Denke, das ist ein Vorsehen … äääh … ein Versehen! ;-)
    By the way, tolle Fotos! Darf ich fragen, womit die gemacht wurden?

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  2. dirk, am

    Schöner Text. Wahnsinnig viele Fotos. Auf einem hast du offenbar sogar eine Geistin überrascht. Witzig, dass die in Namibia Sterntücher tragen…
    LG

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  3. Tantchen, am

    Ich wußte gar nicht, daß es noch lebendige Kolmannskopperinnen gibt…….. und auch noch so hübsche..
    ich hoffe, du hast sie gleich mitgenommen…..
    Dusty place, das Ganze. Als wir vor 10 Jahren in Lüderitz waren, fanden wir den Ort ausgesprochen
    schäbig und heruntergekommen. Außerdem blies ein widerlicher Sandsturm einem den Sand überall
    dahin, wo man ihn nicht haben wollte. Der Fisch im Restaurant war auch trocken, bäh. Geschlafen
    haben wir auch schlecht, und das Frühstück war poplig. Wir waren halt nicht mit Gondwana unterwegs.
    Mist.
    Aber deine Fotos sind sehr schön, Gott sei Dank hast du Lüderitz weggelassen.
    Ganz liebe Grüße

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  4. Isa, am

    This brings back memories…. Ich hab meine erste 5 Lebensjahre in Kolmanskuppe verbracht. Die Häuser waren noch fast alle bewohnt, wir haben noch im Geschäft eingekauft und die Mine war noch voll im schwung… Ja, hier war noch richtig was los. An den Wochenenden wurden viel gefeiert und getanzt, und Kind und Kegel war dabei. Als Transport-Fahrer war mein Vater viel unterwegs, nach Oranjemund oder Kapstadt. Eine herrliche Zeit! Wir sind die Dünen runtergerutscht, oder haben im Schwimmbad gespielt. Beim Kegeln dürften wir Kinder die Kegel wieder aufstellen, und ja… es sind immer noch dieselben Kegel..denn die Mine wurde geschlossen, kurz nachdem wir nach Lüderitzbucht gezogen sind! Vielen Dank für die schönen Fotos!!

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